
Am rechten Bildrand biegen sich einige dürre Äste wie Finger zum Himmel hinauf. Kein einziges Blatt hängt daran, so dass bis zu den Astknoten alles sichtbar ist. Oben links deckt ein dicht belaubter Baum etwa ein Drittel des Bildes schwarz ab, und zwischen dem einen und dem anderen Schwarz öffnet sich der dunkelblaue Himmel in einem langen senkrechten Streifen.
Unten ist der Himmel etwas helleres Blau, nach oben hin wird er dunkler und ist an der obersten Bildecke fast marineblau. Die Sterne sind so verstreut, dass sie sich nicht zählen lassen.
Um so einen Himmel zu sehen, muss man den Nacken nach hinten beugen. In dem Moment zieht es vorn am Hals in die Länge, und das Kinn, das den ganzen Tag zum Bildschirm hin vorgeschoben war, kommt an seinen Platz zurück. Die Schultern sinken von selbst ein Stück.
Auch der Atem, der nur flach im oberen Brustraum hin und her ging, ändert sich dabei. Der Blick verliert seinen Punkt zum Scharfstellen. Die Sterne sind zu weit entfernt, um ein Objekt zu sein, auf das man scharf stellen kann.
Einen Zustand ohne Fokus empfinden Menschen meist als beunruhigend. Weil es sich anfühlt, als falle man zurück, wenn man nicht genau etwas ansieht.
Heute Nacht kann man vor dem Ausschalten des Lichts ans Fenster gehen und drei Minuten lang den Kopf heben. Es macht nichts, wenn keine Sterne zu sehen sind. Wie der gebogene Ast auf dem Foto muss der Blick nur irgendwohin ins Leere gerichtet sein.
In den ersten zehn Sekunden scheint nichts da zu sein, nach etwa zwanzig Sekunden tauchen nach und nach Punkte auf, die vorher nicht da waren. So lange braucht das Auge, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
Dieselbe Bewegung lässt sich auch beim Abwasch versuchen. Das Spülen unterbrechen, den Hahn zudrehen und einmal den Kopf zum Küchenfenster hinaus heben. Dann kann man prüfen, wie viel Spannung im Kiefer saß.
Ob die Backenzähne aufeinandergepresst waren oder ob oben und unten leicht voneinander gelöst waren. Es reicht, das zu prüfen und das Wasser wieder aufzudrehen.
Die Bäume im unteren Teil des Fotos sind weiterhin schwarz, und am Himmel darüber bleiben die Sterne.
