
Es heißt, die Kindererziehung werde leichter, sobald das Kind in die Grundschule komme. Die Ergebnisse, die das Forschungsteam von Dr. Jung Min-young aus der Forschungsgruppe Kognitionswissenschaft des Korea Brain Research Institute (KBRI) am 8. vorgelegt hat, sagen etwas anderes. Das Team teilte mit, es habe den neurobiologischen Vorgang aufgeklärt, in dem Erziehungsstress und Depression auf Form und Funktion des Elterngehirns wirken. Das heißt, die Klage über seelische Belastung wurde auch in Markern der Hirnbildgebung bestätigt.
Untersucht wurden 167 Mütter mit Kindern im Schulalter, bei denen keine psychische Erkrankung diagnostiziert war. Das Durchschnittsalter der Kinder lag bei etwa 9,2 Jahren. Alle waren die Hauptbezugsperson.
Das Team verband die Ergebnisse einer eingehenden psychologischen Untersuchung, die einen standardisierten Test zum Erziehungsstress sowie eine Depressions- und eine Angstskala umfasste, mit Markern der MRT-Bildgebung und wertete sie gemeinsam aus. Der Aufbau zielte darauf, Zusammenhänge zu finden, die sich weder allein über die Testwerte noch allein über die Hirnaufnahmen erfassen ließen.
Das Ergebnis zeigte sich im linken entorhinalen Kortex (Entorhinal cortex). Bei Eltern mit starker Depression war die Oberfläche dieser Region kleiner als bei Eltern mit kaum ausgeprägter Depression, und auch die funktionelle Verbindung zu anderen Arealen war schwächer. Die Region ist an Gedächtnis und Emotionsverarbeitung beteiligt.
In der Auswertung mit statistischen Modellen veränderte der Erziehungsstress das Gehirn nicht unmittelbar. Je nach Ausmaß der Depression der Eltern fiel das Ausmaß der vom Stress erzeugten Veränderungen von Form und Funktion des Gehirns unterschiedlich aus. Der Analyse zufolge übernahm die Depression dazwischen eine vermittelnde Rolle.
Bislang war die Forschung in diesem Feld auf den frühen Stress und die Depression von Müttern rund um die Geburt oder von Eltern in der Säuglings- und Kleinkindzeit ausgerichtet. Dem lag die Annahme zugrunde, dass die Belastung mit dem Heranwachsen des Kindes ebenfalls abnimmt. Die neue Studie stellte diese Annahme auf den Prüfstand. Erstautor der Arbeit ist der KBRI-Forscher Jung Yong-jeon, die Studie wurde mit Förderung durch das Grundlagenprogramm des KBRI, das National Center for Mental Health (국립정신건강센터) und die National Research Foundation of Korea durchgeführt und erschien in der internationalen Fachzeitschrift 'Journal of Affective Disorders'.

Dass an der Studie ausschließlich Mütter teilnahmen, begrenzt die Reichweite der Deutung. Ob derselbe Weg bei Vätern oder mitbetreuenden Personen wirkt, bleibt Aufgabe weiterer Forschung.
In einer Umfrage unter Bürgern Seouls aus demselben Zeitraum trat die Belastung im Alltag zutage. Auf die Frage, ob das eigene Viertel zum Aufziehen von Kindern geeignet sei, antworteten knapp sieben von zehn Befragten mit Ja, etwa drei stimmten nicht zu. Bei der Frage, ob die örtliche Betreuungspolitik im täglichen Leben helfe, lag die Zustimmung knapp vorn, doch auch die Ablehnung überstieg 40 Prozent, das Ergebnis war innerhalb der Fehlermarge geteilt. Dem Wohnumfeld gaben die Befragten gute Noten, während die spürbare Wirkung der Politik sich in zwei Hälften teilte.
An erster Stelle der Belastungen wurden die Bildungskosten der Kinder genannt, an zweiter Stelle die Wohnkosten. Zusammengenommen kamen die auf Betreuung bezogenen Posten auf 39 Prozent. Lee Taek-soo, Chef des Meinungsforschungsinstituts Realmeter, teilte mit, bei der Frage nach den nötigen Hilfen hätten Zuschüsse zu Erziehungs- und Wohnkosten sowie der Ausbau staatlicher und kommunaler Betreuungseinrichtungen innerhalb der Fehlermarge gemeinsam den Spitzenplatz belegt.
Die Stadt Seoul baut seit dem Start der neunten gewählten Amtszeit Einrichtungen für Not- und Randzeitenbetreuung aus und führt ein Vorhaben durch, das den Kreis der Begünstigten des bildungspolitischen Programms 'Seoul Learn'(서울런) um 50.000 Personen erweitert. Es ist ein Ansatz, der die Belastung mit Geld und Einrichtungen verringert.
Die KBRI-Studie weist auf einen anderen Ansatzpunkt hin. Wenn die Erziehungsbelastung die Depression wachsen lässt und die Depression Spuren im Gehirn hinterlässt, muss der psychische Gesundheitszustand der Eltern in die Prüfliste der Betreuungspolitik aufgenommen werden. Nötig seien der Ausbau von Betreuungseinrichtungen und die Behandlung der Depression der Betreuenden zugleich.
Die Studie bestätigte, dass die Erziehungsbelastung auch nach dem Eintritt der Kinder ins Schulalter über die Depression der Eltern auf Hirnmarker wirkt. Das Forschungsteam teilte mit, die psychische Gesundheit der Betreuenden müsse mit betrachtet werden.
