
Die Treibhausgasemissionen des Industriesektors in Südkorea beliefen sich im vergangenen Jahr auf 301,62 Millionen Tonnen. Das ist weniger als im Jahr davor. Innerhalb dieser Gesamtmenge liegt der Anteil von Stahl und Petrochemie jedoch bei 52,6 Prozent, damit überschreiten die beiden Branchen die Hälfte der Industrieemissionen. Die Gesamtmenge ist gesunken, die Konzentration ist geblieben.
Solutions for Our Climate (기후솔루션) legte dieses Ergebnis nach einer Auswertung der im staatlichen Gesamtmanagementsystem für Treibhausgase (국가온실가스종합관리시스템) veröffentlichten Treibhausgasberichte der einzelnen Unternehmen für 2025 vor. Untersucht wurden die Industrieemissionen jener Unternehmen, denen Emissionszertifikate zugeteilt werden. Damit sind die von den Unternehmen selbst gemeldeten Primärdaten nach Branchen neu gebündelt worden, was eine Grundlage dafür bietet zu prüfen, woher der Rückgang der Gesamtmenge stammt.
Solutions for Our Climate kam zu dem Befund, dass sich die Ursache des Emissionsrückgangs kaum in einer Umstellung auf umweltfreundliche Verfahren finden lasse und das Ergebnis einer gesunkenen Produktion sei. Laufen die Fabriken weniger, fallen auch weniger Emissionen an. In diesem Fall zeigt die Kurve der Gesamtmenge nach unten, die Emissionen je Produktionseinheit bleiben aber gleich, sodass die Emissionen in dem Moment zurückkehren, in dem die Konjunktur sich erholt und die Auslastung steigt.
Für den Bereich Petrochemie wurde die Minderung mit etwa 1 Prozent angegeben. Dazu hieß es, die Verfahren, die die Emissionen erzeugen, hätten sich selbst nicht verändert. Solutions for Our Climate sah auch den Umfang der Minderung bei den großen Unternehmen als geringfügig an.
Den Emissionsrückgang als Erfolg der Dekarbonisierung zu lesen, ist an Bedingungen geknüpft. Es wurde darauf hingewiesen, dass zugleich zu prüfen sei, wie weit die Umstellung der Verfahren tatsächlich vorangekommen ist und ob sich die Emissionsintensität verbessert hat. Ist nur die Gesamtmenge gesunken, während sich diese beiden Kennzahlen nicht bewegt haben, lässt sich das kaum als Minderungsleistung ansehen.

In der Petrochemie gibt es auch eine Größe, die genau entgegengesetzt wirkt. Wenn künftig Anlagen ausgebaut werden, können die absoluten Emissionen wieder steigen, so der Hinweis. Je nachdem, wie Umfang des Ausbaus und Zeitpunkt der Inbetriebnahme ausfallen, kann der Rückgang des vergangenen Jahres eine vorübergehende Erscheinung bleiben.
Solutions for Our Climate hat den Fall einer verspäteten Dekarbonisierung der Stahlindustrie gesondert berechnet. Der Analyse zufolge könnten in den kommenden 25 Jahren Produktions- und Wertschöpfungseffekte von rund 1.909 Billionen Won sowie 720.000 Arbeitsplätze aufgegeben werden. Es handelt sich um eine Schätzung, die eine hochofenbasierte Produktionsweise voraussetzt, und der gewählte Zeitpunkt der Umstellung bestimmt das Ergebnis in hohem Maße.
Beim Lesen dieser Zahl ist auch Vorsicht geboten. Der Startzeitpunkt der 25 Jahre und das Basisjahr der Geldwerte sind nicht mit angegeben, sodass sich die Zeitachse des Betrags von 1.909 Billionen Won schwer genau bestimmen lässt.
Stahl und Petrochemie sind die Branchen, die dem verarbeitenden Gewerbe im Land die Grundstoffe liefern. Dass die beiden Branchen mehr als die Hälfte der Industrieemissionen ausmachen, ist so zu lesen, dass Erfolg oder Misserfolg der Minderung im Industriesektor faktisch an der Umstellung der Verfahren in diesen beiden Bereichen hängt. Wie stark die Emissionen in den übrigen Branchen auch gesenkt werden, solange die 52,6 Prozent unangetastet bleiben, bewegt sich die Gesamtmenge kaum.
Die Kennzahl, die zu prüfen ist, ist die Emissionsintensität. Mehr als die Frage, ob die Gesamtmenge im Bericht des nächsten Jahres erneut sinkt oder wieder anzieht, zeigt die Entwicklung der Emissionen je Produktionseinheit, was hinter der Umstellung tatsächlich steckt. Ist die Intensität auch nach einer Erholung der Auslastung niedriger, dann haben sich die Verfahren geändert, schwankt allein die Gesamtmenge, dann geht der Rückgang des vergangenen Jahres auf Veränderungen der Produktionsmenge zurück.
