
Unter einem wolkenlosen Mittagshimmel liegt die Stadt in der Ferne wie ein Querband. Eine Kuppel und einige Bürogebäude bilden die Skyline, doch der größte Teil des Bildes besteht nicht aus Gebäuden. Baumkronen, in denen sich im Sommerlicht helles Hellgrün und dunkles Grün Schicht um Schicht mischen, füllen mehr als die vordere Hälfte.
Wer genau zwischen das Grün schaut, sieht vereinzelt rote Dächer und graue Wände auftauchen. Es wirkt wie ein unbewohnter Wald, doch es ist ein Viertel, in dem Häuser, Straßen und Höfe unter die Bäume gerückt sind. Von einer Stadt, die den Wald verdrängt hat, ist nichts zu sehen, geblieben ist die Form eines Waldes, der die Stadt umschließt.
Solche Kronen halten die Hitze des Sommermittags nicht fest, sondern zerstreuen sie. Die Blätter erzeugen Schatten, die Wurzeln nehmen den Regenguss auf und geben ihn langsam ab, und während des Wachstums lagern sie Kohlenstoff im Holz ein. Das heißt, ein Klimagerät weniger laufen zu lassen und einen Baum zu erhalten haben dieselbe Wirkung.
Wichtig ist, dass dieses Grün nicht von selbst entstanden ist. Jemand hat Straßenbäume gepflanzt, jemand hat die Baugrenze zurückgenommen, jemand hat entschieden, alte Bäume nicht zu fällen. Diese Entscheidungen haben sich über Jahrzehnte angesammelt und das heutige Dach ergeben.
Das Licht fällt schräg von links oben ein. Unterhalb der rechten Seite der Kronen liegt auf jeder Blattgruppe ein kurzer schwarzer Schatten, und einige rote Dächer sind halb von diesem Schatten bedeckt und zeigen nur ihre Umrisse. Neigt sich die Sonne auch nur wenig, ändert sich die Länge dieser Schatten, und auch die Häuser, die im Schatten liegen, wechseln. Im Winkel steckt ein Anteil, den man nicht erfasst, wenn man nur die Fläche des Grüns zählt.
Sehen Sie sich das Foto noch einmal an. Wenn man den Blick von der Skyline löst und das Grün darunter abtastet, kommt einem der Gedanke, dass sich die Größe einer Stadt statt in Stockwerken auch in Blättern messen ließe. Welcher Schatten verschwindet heute in unserem Viertel.
