
Ist ESG ein gelungenes Konzept oder ein gescheitertes? Während die Debatte um die Offenlegungspflicht weiterlief, wurde über Erfolg oder Misserfolg kaum gestritten. Während sich das Interesse darauf richtete, wie die Regeln zu entwerfen seien, blieb die Prüfung des Konzepts, auf dem diese Regeln stehen, liegen. „Green Swans" (Verlag Deonan, 2025) ist ein Buch, in dem der Urheber des Konzepts die aufgeschobene Prüfung selbst vornimmt.
Der Autor John Elkington hat lange dafür geworben, in der Unternehmensführung die drei Achsen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zusammen zu stellen. Hier liegt die Wurzel des Ansatzes, der heute unter dem Kürzel ESG geläufig ist. Ausgangspunkt des Buches ist die Anlage, dass derjenige, der das Konzept in die Welt gesetzt hat, sich Jahrzehnte später selbst ein Zeugnis ausstellt.
Bücher, die Selbstkritik ankündigen, laufen meist in zwei Richtungen. Sie verteidigen das Konzept, oder sie werfen dem Markt vor, das Konzept missbraucht zu haben. Der Ton, den dieses Buch wählt, ist der unangenehmere. In dem Moment, in dem die Lücke zwischen dem vom Urheber gemeinten Gebrauch und dem vom Markt tatsächlich betriebenen Gebrauch zum Thema wird, fällt ein Teil der Verantwortung auf den Urheber zurück.
Woran koreanische Leser hier hängen bleiben, liegt auf der Hand. Die Offenlegungspflicht bürdet den Unternehmen Messung und Berichterstattung auf. Dass mehr Messpositionen auch mit tatsächlichen Umwelt- und Sozialleistungen verbunden sind, ist damit nicht garantiert. Wenn die Regelsetzer die Grenzen des Konzepts nicht kennen und nur die Kennzahlen vermehren, wird allein der Umfang der Berichte dicker.

Auch das, worauf der Titel zielt, steht im selben Zusammenhang. Auf der Gegenseite des schwarzen Schwans, der die unvorhergesehene Katastrophe meint, fasst er die Möglichkeit einer unvorhergesehenen raschen Verbesserung unter einem Namen zusammen. Debatten über den industriellen Wandel legen das Gewicht meist auf Kosten und Risiken, dieses Buch verlangt, den plötzlichen Umschwung zum Besseren mit demselben Gewicht zu behandeln. Für eine Finanzsicht, die den Wandel nur als Ausgabe verbucht, ist das eine ungewohnte Forderung.
Die Kraft des Buches kommt daher, wer da spricht. Bücher, in denen externe Kritiker auf die Lücken von ESG hinweisen, gibt es mehrere, und ihre Argumentation ist meist vorhersehbar. Wenn derjenige, der das Konzept geschaffen hat, die Fehlschläge selbst benennt, kommen auch Punkte auf die Liste, bei denen keine Ausrede zieht. Dieselbe Kritik wiegt dann anders.
Wo es dünn wird, lässt sich ebenfalls ahnen. Selbstkritik entfaltet ihre Kraft in der Diagnose, beim Übergang zur Therapie sinkt leicht die Dichte der Belege. Dass die Art, einen weiteren neuen Namen vorzuschlagen, den Missbrauch des früheren Konzepts verhindert, ist nicht garantiert. Dass ein Buch, das die Lebensdauer von Konzepten zum Thema macht, wieder mit einem Konzept antwortet, können Leser prüfen.
Nützlich ist es für die Zuständigen in der Offenlegungspraxis, für die Seite, die über nachhaltige Investitionen entscheidet, und für jene, die den industriellen Wandel in Politik übersetzen. Wer es als Einführung in ESG aufschlägt, gewinnt wenig. Sein Wert zeigt sich, wenn ein Leser mit Grundkenntnissen es aufschlägt, um eben diese Grundkenntnisse zu bezweifeln. Die Selbstkritik, die der Urheber selbst geschrieben hat, ist für sich genommen Material für den Entwurf der nächsten Regeln.
