
In sechs europäischen Ländern hielten mehr Befragte den „Ausbau der Klimatisierung" für wichtiger als den „Klimaschutz". Das ergab eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov, das vom 7. des vergangenen Monats bis zum 11. dieses Monats jeweils 1.028 bis 2.105 Erwachsene je Land befragte. In allen sechs Ländern fiel das Ergebnis gleich aus. In Großbritannien lag es bei 48 zu 23 Prozent.
Die Abstände zwischen den Ländern fielen recht deutlich aus. In Spanien waren es 48 zu 26 Prozent, in Deutschland und Frankreich jeweils 45 zu 26 und 45 zu 33 Prozent. In Polen war der Anteil für den Klimaschutz mit 41 zu 20 Prozent am niedrigsten. Nur in Italien lagen beide Antworten mit 35 zu 32 Prozent dicht beieinander.
Wer dieses Ergebnis als Abkehr vom Klimaschutz liest, übersieht die andere Hälfte der Umfrage.
In derselben Befragung sahen nur 12 bis 24 Prozent der Befragten im Ausbau der Klimatisierung eine Schwächung des Willens zum Klimaschutz. Die große Mehrheit der Europäer betrachtet Kühlung und Minderung nicht als gegeneinander eintauschbar. Als Grund gegen den Einbau einer Klimaanlage nannten 6 bis 27 Prozent die Klimafolgen, während 51 bis 75 Prozent die Anschaffungskosten als größtes Hindernis angaben. Was die Menschen zögern lässt, ist das Geld.
Die Forderungen sind dagegen deutlich. 61 bis 73 Prozent der Befragten in den sechs Ländern antworteten, alle Neubauwohnungen sollten serienmäßig mit einer Klimaanlage ausgestattet sein. Auch die Antwort, der Einbau solle ohne Genehmigung der Kommunalbehörde oder Erlaubnis des Vermieters möglich sein, lag mit 65 bis 75 Prozent hoch. Die Punkte, deren Änderung die Befragten verlangten, sind die Planungsphase von Neubauten und das Mietrecht.
In der europäischen Politik reihten sich unterdessen Schritte, die den Klimaschutz schwächen. Die deutsche Bundesregierung senkte Steuern und Abgaben, aus denen die Förderung erneuerbarer Energien finanziert wird, und der Bundestag nahm die Vorschrift zurück, die für Heizungen in Wohnhäusern Anlagen für erneuerbare Energien vorschrieb. Shell legte die Pläne für den Bau einer Biokraftstoffanlage in den Niederlanden auf Eis, und das norwegische Unternehmen Equinor gab sein Ziel auf, bis 2030 zwischen 10 und 12 GW an erneuerbaren Energien aufzubauen. Es gibt keine Grundlage für die Annahme, dass dieser politische Rückzug auf die Umfrageergebnisse zurückgeht.

Die Klimaanlage ist in Europa auch zu einer Front im „Kulturkampf" geworden. Die etablierten Parteien stehen in der Kritik, dem Ausbau aus ideologischen Gründen zurückhaltend gegenüberzustehen, während rechte Parteien die Klimaanlage als Gut des täglichen Bedarfs verstanden wissen wollen, so eine Einschätzung. Eine Aufteilung der Kühlung nach politischen Lagern schadet beiden Seiten.
Da mehr als die Hälfte der Befragten die Anschaffungskosten als größtes Hindernis nennt, setzen eine Förderung hocheffizienter Geräte und eine vorrangige Unterstützung einkommensschwacher Haushalte zugleich beim Zugang zur Kühlung und bei der Begrenzung des Strombedarfs an. Für die von über 60 Prozent geforderte Pflicht im Neubau gilt dasselbe. Werden Dämmung, Verschattung und Effizienzstandards für Klimageräte zusammen gefasst, lässt sich dieselbe Kühle mit weniger Strom erreichen.
John Browne, früherer Vorstandsvorsitzender von BP, sagte, die Politik für einen dekarbonisierten Energiemix beschleunige sich nicht, und forderte mehr Klimaschutz. Die Antworten der europäischen Bürger weisen in dieselbe Richtung. Die Forderung nach Mitteln, um die Hitzewellen auszuhalten, und die Forderung, die Emissionen zu senken, bestehen in ein und derselben Person nebeneinander.
Zu Hause gibt es sofort etwas zu tun. Wer eine neue Klimaanlage anschaffen will, sollte eher die Energieeffizienzklasse und die Auslegung der Innengeräteleistung prüfen als den Gerätepreis. Daran entscheiden sich die Stromrechnung im Sommer und die Emissionen.
Und wer zur Miete wohnt, prüft die Einbaubedingungen besser im Vertrag. Sieben von zehn Befragten in Europa wollten genau diese Klausel geändert sehen.
