
Eine Leine aus abwechselnd blauen und roten Schwimmern teilt die Wasseroberfläche schräg. Das Wasser bewegt sich nur in flachen Kräuselungen, als hätte es niemand durchquert, und die Deckenbeleuchtung liegt langgezogen wie eine weiße Säule darin. Das Raster der Bodenfliesen krümmt sich den Wellen entlang ein wenig. Dass die Luft im Innenraum kühl ist, überträgt sich bis über das Foto hinaus.
Wer an einem solchen Wasser steht, reagiert körperlich früher, als er denkt. Die Fußsohlen messen die Kälte der nassen Fliesen, die Schultern heben sich unwillkürlich und senken sich wieder. Die Augen bleiben beim Zittern der nahen Wasseroberfläche statt an der fernen Wand. Der eingeatmete Atem wird einen halben Takt länger als sonst.
Im Gemüt kurz vor dem Eintauchen liegt ein Zögern. Jenes kurze Stocken in dem Moment, in dem man den Körper eintauchen muss, obwohl man weiß, dass es kalt sein wird. Es ähnelt dem Gefühl, mit dem ein Tag beginnt.
Sie können dort, wo Sie gerade sind, die Schultern einmal senken, als tauchten sie ins Wasser. Atmen Sie durch die Nase ein und atmen Sie mit verengten Lippen lang aus, als ließen Sie die Luft langsam unter Wasser entweichen. Dreimal genügt, und Sie müssen nicht mitzählen.
Denselben Atem können Sie auch an die frühmorgendliche Haltestelle mitnehmen, während Sie auf den Bus warten. Während die kühle Luft die Wange berührt, achten Sie darauf, ob die Backenzähne aufeinanderliegen, ob der Kiefer still zusammengepresst ist. Während Sie wie am Wasser die Schultern senken und mit verengten Lippen lang ausatmen, sehen Sie einfach zu, an welcher Stelle sich die Spannung im Kiefer löst. Löst sie sich nicht, lassen Sie es so.
Das Wasser bewegt sich für sich allein und wartet auf den, der es durchquert.
