
Auf einem hellen Holztisch liegen vier Hände übereinander. Die Hand von links trägt den Ärmel eines hellblauen Hemdes, die Hand von rechts den Ärmel eines dicken Strickpullovers. Das Licht, das durch das Fenster fällt, legt sich sanft auf die Falten der Handrücken, die blassen Flecken und die hervortretenden Sehnen. Eine stille Stunde des Tages, wohl nachdem das Essen beendet und das Geschirr abgeräumt war.
Wer genau hinsieht, erkennt: Diese Überlagerung hat nicht die Form, in der eine Seite die andere einseitig umschließt. Es gibt eine Hand, die von unten stützt, und eine Hand, die von oben deckt, und dazwischen schiebt sich noch eine weitere Hand, die die anderen hält. Wer der Sorgende ist und wer der Umsorgte, lässt sich mit diesem einen Foto nicht trennen.
Wenn wir von Fürsorge sprechen, stellen wir uns meist eine Richtung vor. Wir denken, die gesunde Seite gebe der schwachen, die junge der alten. Doch die Hände von Menschen, die lange zusammengelebt haben, löschen diese Unterscheidung aus. Wenn sich über Jahrzehnte wiederholt, dass heute ich halte und morgen du hältst, dann erinnern sich die Hände an die Form der jeweils anderen.
Für diese Arbeit gibt es keinen Dienstplan. Es gibt keinen Feierabend und keine Schicht, und meist zählt sie niemand. Dass dieser kurze Moment des Händehaltens auf dem Esstisch die einzige Ruhe des Tages sein kann, zeigt das Foto, ohne einen Laut zu machen.
Sehen Sie das Foto noch einmal an. Jeder einzelne Fleck auf den Handrücken ist ein Zeichen der vergangenen Jahreszeiten, und der Spalt zwischen den ineinandergreifenden Fingern ist das Maß der noch verbleibenden Zeit. Die Gesichter der Menschen, die an diesem Tisch sitzen, bleiben bis zuletzt unsichtbar, doch allein an den Händen erfahren wir ein wenig davon, was sie ausgehalten haben.
