
Eine Dachkammer unter der schrägen Decke, das Fenster mit dem roten Holzrahmen steht halb offen. Draußen liegt ein blassgrüner Bergrücken niedrig da, und ein entlaubter Zweig streift das Glas. Der weiße Vorhang ist zur Seite geschoben und bauscht sich leicht, die Decke auf dem Bett liegt noch so zusammengeschoben, wie man sich nachts darin gewälzt hat. Das Licht ist das weiße Licht der frühen Stunde, bevor es seine Farbe bekommt.
Wenn man eine solche Szene betrachtet, wird der Atem von selbst flach und lang. Die Schultern sinken etwas weiter zum Kissen hin, und der Handrücken berührt zugleich die kühle Seite der Decke und die vom Körper gewärmte. Die Zehen tasten nach dem Deckenrand und halten inne. Auch der Blick hängt lose irgendwo am Fensterrahmen.
Das Gefühl, sich nicht beeilen zu müssen, kommt so fremd, als wäre es lange vergessen gewesen. Das liegt daran, dass man lange Zeit geglaubt hat, sich vom Moment des Aufwachens an aufrichten zu müssen.
Statt nach dem Öffnen der Augen sofort aufzustehen, kann man im Liegen die Arme über den Kopf strecken und sich einmal lang bis in die Zehenspitzen dehnen. Dreißig Sekunden reichen, und es ist besser, dabei nicht die Luft anzuhalten. Wie wäre es, das zu tun, solange die Wärme der Decke noch im Körper ist.
Dieselbe Dehnung lässt sich auch nach dem abendlichen Abwasch einbauen. Das Wasser abdrehen, die nassen Hände am Handtuch abreiben und dann vor der Spüle stehend die Arme nach oben strecken und sich einmal lang bis in die Fersen aufrichten, so weit. Dabei lohnt es sich zu schauen, woran der Blick gerade hängt. Ob er sich am Küchenlicht sammelt, das sich in der Fensterscheibe spiegelt, und sich dann zum dunkel gewordenen Bergrücken hin löst, oder ob er an der Nässe im Spülbecken haften bleibt, mehr muss man nicht abwägen.
Der Bergrücken vor dem Fenster liegt dort in derselben Haltung wie gestern, und die Decke ist ungefaltet geblieben.
