
In einem dunklen Zimmer stehen drei Kerzen. Die Wand tritt nur so weit hervor, wie das Licht reicht, und die mit altem Papier beklebte Fläche färbt sich orange, bevor sie an den Rändern ins Schwarz sinkt. Das Wachs lief in erstarrten Spuren und in lauwarm fließenden Bahnen herunter, und die Flecken auf dem Boden sehen aus wie Spuren vieler vergangener Nächte.
Vor solchem Licht verengen die Augen von selbst ihren Fokus. Nur das Helle bleibt, alles andere wird unscharf, und die Spannung in den Lidern lässt nach. Die Schultern sinken ein wenig, das Einatmen wird kürzer, das Ausatmen länger. Die Hände liegen einfach auf den Knien.
Wer den ganzen Tag über etwas geprüft hat und dabei mit dem Blick immer weitergewandert ist, dessen Sinn hat gerade fast vergessen, wie man an einem Ort bleibt.
Man darf ein Licht anzünden und drei Minuten lang nur die Spitze der Flamme ansehen. Es genügt, mit den Augen jener Bewegung zu folgen, in der der Docht sich neigt, das Licht sich zur Seite legt und sich wieder aufrichtet. Man muss die Atemzüge nicht zählen und nicht festlegen, was man fühlen soll.
Auch in Zeiten ohne Kerze lässt sich Ähnliches versuchen. Etwa die paar Minuten, in denen man neben dem Wasserkocher steht und wartet, bis das Wasser kocht. Während man dem aufsteigenden Dampf zusieht, kann man ruhig nur nachspüren, wie weit sich der Bauch hebt und wie weit er sich senkt, wie groß dieses Auf und Ab ist. Ohne zu prüfen, ob es größer oder kleiner wird, reicht es zu bemerken, dass es sich jetzt so bewegt.
Die Flamme brennt auch weiter, während sie flackert.
