
Die Granitstufen an einem Samstagvormittag sind nicht rutschig, sondern kühl. Das Geräusch von Turnschuhsohlen auf Stein, das Rumpeln der Kinderwagenräder über die Fugen, dazwischen läuft ein Kind hinauf. Niemand zieht ein Ticket aus der Tasche. So niedrig liegt die Schwelle der Dauerausstellung des Nationalmuseums Korea, und diese Niedrigkeit ist alles, worum es heute geht.
Dass man das alte Museum in London bei den Besucherzahlen überholt habe, wird derzeit an vielen Stellen gesagt. Eine erfreuliche Nachricht. Doch dass dieser Rekord allein durch die Kraft der Ausstellungsplanung zustande kam, lässt sich kaum annehmen. Streicht man die Bedingung des freien Eintritts, füllt der Rest der Erklärung nicht einmal die Hälfte.
Zu prüfen ist als Nächstes also eher die Schwelle als die Rangliste. Welcher Platz weltweit erreicht wird, kann sich in einigen Jahren wieder umkehren, doch ein Ausstellungssaal, der ohne Preisfrage offensteht, lässt sich, einmal geschlossen, weit schwerer zurückholen. Wie ist das öffentliche Versprechen zu bewahren, das diesen Erfolg geschaffen hat, dort muss die Diskussion beginnen.
Auch die Forderung nach Eintrittsgeldern hat feste Gründe. Ist der Besuch kostenlos, steigt die Zahl derer, die nur reservieren und nicht kommen, die Ausstellungssäle sind am Wochenende voll, und die Mittel für Restaurierung und wissenschaftliches Personal fehlen ständig. Deshalb kommt immer wieder der Vorschlag, Sonderausstellungen mit einem Preis zu versehen und so das Geld aufzubringen. Es gibt auch die Erfahrungsregel aus der Praxis, dass Besucher, die bezahlt haben, länger bleiben.
Dennoch muss der freie Eintritt in die Dauerausstellung bewahrt werden. Ein Eintrittsgeld wirkt, noch bevor es eine Einnahme ist, als Sieb. 3.000 Won und 5.000 Won sind für die einen ein Rundungsbetrag, für andere werden sie zur Linie, die entscheidet, ob man heute geht oder nicht. Die Rechnung, für den Besuch von Dingen, die der Staat treuhänderisch verwahrt, erneut Geld zu verlangen, lässt sich schwer aufstellen.

Das Geld, das mit Museumsartikeln, Café und Markenkooperationen verdient wird, kann eine Möglichkeit sein, diesen freien Eintritt zu tragen. Doch sobald die Ware die Ausstellung verdrängt, sieht die Sache anders aus. Wenn der Souvenirtresen heller leuchtet als die Exponate und die Warteschlange zum Shop hin länger wird, wird der Museumsbesuch zum Zubehör des Konsums.
Die Grenzlinie ist einfach. Das Geld wird draußen verdient, und das Innere des Ausstellungssaals bleibt ein Ort, der nicht nach dem Preis fragt.
Das dürfte nicht heißen, dass kostenpflichtigen Kulturveranstaltungen die Gemeinwohlorientierung fehlt. Das 31. Busan International Film Festival findet vom 6. bis 15. Oktober zehn Tage lang vor allem im Busan Cinema Center statt, das vollständige Programm der eingeladenen Filme wird am 1. September veröffentlicht. Es ist ein Kino, in das man nur mit gekauftem Ticket kommt, doch schon im Voraus mitzuteilen, was wann öffnet, ist eine Art, dem Publikum die Tür zu öffnen. Die Gemeinwohlorientierung lässt sich nicht allein an einem Preisschild messen.
Die Luft im Ausstellungssaal ist trocken und ein wenig kalt. Hinter dem Glas wirkt die Oberfläche des Seladons wie feucht, doch sie erreicht die Fingerspitzen nicht, und mit jedem Lichtwechsel sinkt das Grün ins Graue. Dass man für den Eintritt in diesen Raum nichts entrichtet hat, wird während des ganzen Besuchs kaum bewusst. Dass es nicht bewusst wird, ist das Zeichen eines gut entworfenen öffentlichen Guts.
Es lohnt sich, die Treppe noch einmal hinaufzugehen, bevor der Frühling vorbei ist. Trägt man diese wenigen Sekunden, in denen man ohne Ticket hindurchgeht, im Körper mit sich, weiß man mit den Sinnen, woran die kommende Diskussion über Eintrittsgelder rührt. Im Herbst gibt es auch die Möglichkeit, in Busan ein Ticket zu lösen und im Kinosessel zu sitzen. Selbst nachzuprüfen, wie eine kostenlos geöffnete Tür und eine gegen Bezahlung geöffnete Tür jeweils funktionieren, gehört zu den Rechten des Publikums.
