
Eine graue Treppe führt in einem weiten Bogen hinunter. Auf jeder Fliese ist blass ein getrockneter Wasserfleck verlaufen, und das dünne Geländer fängt das Licht in einer Linie und glänzt lang. Menschen sind nicht zu sehen. Daran, dass die Schatten tief liegen, erkennt man die Stunde, in der die Sonne zu sinken beginnt.
Bei einer solchen Treppe fängt der Körper schon vorher an zu zählen. Noch bevor man die Stufen zählt, werden die Waden hart, und die Schultern heben sich ein wenig. Der Atem wird kürzer, und der Blick springt zum obersten Ende.
Darin liegt die Haltung, das Ausruhen auf die Zeit nach dem Ankommen zu verschieben. Das Versprechen, nach dem Aufstieg zu ruhen, nach der erledigten Arbeit zu ruhen, wird meistens nicht gehalten.
Ich empfehle, sich vor dem Aufstieg einfach auf die dritte Stufe zu setzen. Wie wäre es, mit der Handfläche die kühle Beschaffenheit des Steins zu berühren, die Fußsohlen ganz auf den Boden zu setzen und zu warten, bis der Atem von selbst länger wird? Drei Minuten reichen aus. In dieser Zeit geht die Treppe nirgendwohin.
Dieselben drei Minuten entstehen auch an der Haltestelle, an der man auf den Bus wartet. Während man dasteht und zur Linienanzeige hinaufsieht, könnte man auch beiläufig die Anspannung im Kiefer betrachten. Es ist eine Beobachtung, bei der man nur bemerkt, ob die Backenzähne aufeinanderliegen, ob der Unterkiefer nach hinten gezogen ist, ob die Zunge gegen den Gaumen drückt. Nach dem Bemerken muss man nichts verändern. An einem Nachmittag, an dem die Schatten länger werden, ist das Warten ohnehin eine Zeit, die an ihrem Ort bleibt.
Eine Stufe der geschwungenen Treppe wird für den, der sich setzt, unmittelbar zum Stuhl. Stein hat nie gelernt, sich zu beeilen.
