
In einem Zimmer, dessen Decke zu einer Seite hin schräg abfällt, liegt ein großes Fenster. Hinter dem Glas schieben sich ein blasser Himmel, ein blaugrüner Bergkamm und dünne Zweige, die alle Blätter abgelegt haben, übereinander. Der hellrosa Vorhang hängt halb zurückgezogen herab, die weiße Bettdecke ist geknickt und aufgebauscht, so wie die unruhige Nacht sie hinterlassen hat.
Wacht man in einem solchen Zimmer auf, erinnert der Körper die Temperatur unter der Decke länger als die Luft draußen. Die Schultern sind rund eingerollt, die Fingerspitzen bewegen sich Stück für Stück und suchen auf dem Laken die lauwarme Stelle. Der Blick bleibt am Rand des Fensterrahmens hängen und löst sich nur schwer.
Was dabei aufkommt, ist weniger Faulheit als Aufschieben. Man möchte die erste Bewegung des Tages noch ein wenig nach hinten schieben.
Bevor man sich aufrichtet, strecken wir im Liegen beide Arme lang über den Kopf. Die Fußspitzen schieben leicht in die Gegenrichtung, und wie wäre es, einmal tief einzuatmen und den Atem langsam abzulegen? Es dauert keine drei Minuten, und die Decke muss nicht zurückgeschlagen werden.
Dasselbe Armstrecken schiebt sich tagsüber auch beim Zusammenlegen trockener Wäsche unauffällig dazwischen. Man legt ein Handtuch zur Hälfte gefaltet beiseite und kann im Stehen beide Arme zur Decke heben und den Atem lang ausströmen lassen. Dabei achtet man darauf, wie stark die Fußsohlen den Boden drücken. Während man in Ruhe prüft, ob die Fersen schwerer aufliegen, ob unter dem großen Zeh mehr Druck entsteht, ob man sich nur auf ein Bein stützt, wechselt der Bergkamm vor dem Fenster ins Abendlicht.
Der Bergkamm ist die ganze Zeit dort, und die Bettdecke ist weiterhin warm.
