
Das Wasser, durch das noch niemand gezogen ist, nimmt das Licht des Fensters unverändert auf. Spiegelungen wie weiße Säulen ziehen sich lang über die Oberfläche, rote und blaue Bahnleinen teilen das Wasser diagonal. Das Blau ist auf der flachen Seite hell und wird zur tiefen Seite hin dunkler. Die kleinen Wellen bewegen sich ohne jedes Geräusch nur leicht.
Wer auf solches Wasser hinunterblickt, dem sinken die Schultern von selbst eine Handbreit. Die Fußsohlen lesen die Kühle der nassen Fliesen, die Fingerspitzen halten kurz inne, während sie die Temperatur des Wassers messen. Der eingeatmete Atem verweilt einen Takt zwischen den Rippen.
Das Gefühl, das am Wasser im Morgengrauen oft aufsteigt, ist Ungeduld. Die Rechnung, wie viele Bahnen zu schwimmen sind, startet schneller als der Körper.
Nach dem Einsteigen ins Wasser die Wand festhalten und nur das Gesicht eintauchen. Wenn man langsam durch die Nase ausatmet und etwa dreimal hört, wie die Blasen sich zerstreuen, vergessen die Arme für einen Moment, dass sie von allein hastig wurden. An einem Morgen ohne Schwimmbad, wie wäre es, denselben Atem über dem Wasser im Waschbecken zu versuchen?
Derselbe Atem setzt sich auch nach dem Verlassen des Wassers fort. Während man am Übergang auf Grün wartet, löst man die Spannung in den Schultern ein wenig und atmet lang durch die Nase aus. Zu beobachten ist dabei, wie weit sich der Bauch hebt und wieder senkt. Es gibt Morgen, an denen er flach steigt, und Morgen, an denen er tiefer sinkt als gedacht, und schon das Abzählen, welches von beiden es ist, lässt sich als ein Lesen des Körpers an diesem Morgen nehmen und dabei belassen.
Die Bahnleinen schwanken mit, sooft das Wasser schwankt, und geben auch nach dem Schwanken ihre Linie nicht auf.
