
Trübes Winterlicht fällt durch den Fensterrahmen, und mit dem Rücken zu diesem Licht fällt der Wasserstrahl aus der Kanne. Wo das Wasser den Rand der weißen Tasse mit dem blassen Blumenmuster berührt, schwellen kleine Blasen an, und der Dampf windet sich am Wasserstrahl hinauf und zieht durch das helle Band des Fensters. Daneben stehen im Halbdunkel eine leere Tasse und eine Schale mit Deckel.
Bei einem solchen Anblick hält die Hand kurz inne. Beim Blick darauf, wie weit das Wasser in der Tasse schon steht, zieht sich der Fokus der Augen eine Handbreit näher heran, und die aufsteigende Wärme wärmt das Gesicht ein wenig. Meist bemerkt man auch in diesem Moment die gesunkenen Schultern.
Ein eiliges Gemüt hält diese wenigen Sekunden schlecht aus. Es will schon zur nächsten Aufgabe hinüber, bevor die Tasse voll ist, und dann vergeht die Zeit, in der der Dampf aufsteigt, wie eine Zeit, die es nie gegeben hat.
Wer Tee aufgegossen hat, kann den Dampf dreimal ansehen, bevor er die Tasse an den Mund setzt. Einmal, wenn er gerade über der Tasse aufsteigt, einmal, wenn er durch das Licht zieht, einmal, wenn er sich auflöst und verschwindet. Wie wäre es, so zu zählen?
Dasselbe Zählen lässt sich in die Zeit verlegen, nachdem das Licht aus ist und man unter der Decke liegt. Im Dunkeln gibt es weder Tasse noch Dampf, deshalb verfolgt man still, wie weit der eingeatmete Atem länger wird und an welcher Stelle der ausgeatmete endet. Man muss nicht messen, welcher von beiden länger ist. Schon wenn man nur bemerkt, dass die Länge in jeder Nacht anders ist, vergehen diese paar Sekunden nicht einfach.
Auch wenn der Dampf ganz verschwunden ist, bleibt in der Tasse Wärme zurück.
