
Eine graue Treppe zieht sich wie ein Bogen quer durch das Bild. Geflieste Stufen und Stufen aus freiliegendem Beton wechseln sich ab, darüber kommt ein Metallgeländer schräg herunter und fängt dabei ein dünnes Licht. Menschen sind nicht zu sehen, und ein leerer Blumentopf steht unten auf der Ebene und zieht einen kurzen Schatten hinter sich her.
Vor einer solchen Treppe zählt der Körper meist von oben her. Die Schultern gehen etwas hoch, und die Fußsohlen neigen sich schon in den Winkel, in dem sie die erste Stufe betreten. Der Blick liegt auf der letzten Stufe, und der Atem wird entsprechend flach.
Was sich darin zeigt, kommt der Ungeduld nahe. Sobald der Ort sichtbar ist, den man erreichen soll, wird jede Stufe dazwischen zu einer bloßen Durchgangsstelle.
Wer heute irgendwo auf eine Treppe trifft, könnte sich vor dem Aufstieg einmal auf eine beliebige Stufe setzen. Wie wäre es, während die Kühle des Steins die Handfläche berührt, etwa dreimal auszuatmen und statt nach oben einmal geradeaus zu schauen?
An Tagen ohne Treppe erfüllt das Innere eines Aufzugs einen ähnlichen Zweck. Während die Tür sich schließt und die Stockwerksanzeige sich für ein paar Sekunden Ziffer um Ziffer ändert, genügt es, nachzusehen, auf welcher Höhe die Schultern hängen. Ob sie nah an den Ohren sind oder etwas tiefer, ob beide auf derselben Linie liegen. Auch in der kurzen Zeit des Wartens auf die Ankunft nimmt der Körper seine eigene Haltung ein, und das zu bemerken dürfte sich vom Sitzen auf einer Treppe kaum unterscheiden.
Eine Treppe ist ein Weg nach oben und zugleich so breit, als wäre sie zum Sitzen gemacht.
