
Am tiefdunkelblauen Himmel sind kleine Sterne verstreut. Links steht die schwarze Masse eines dicht belaubten Baumes, rechts strecken sich die Zweige, die alle Blätter verloren haben, wie Finger aus. Nur nahe am Horizont ist es schwach hell, nach oben hin wird die Farbe tiefer. Es ist die Zeit, in die kein Lampenlicht reicht.
Um so einen Himmel zu sehen, muss man den Nacken nach hinten beugen. Hebt sich das Kinn, streckt sich die verspannte Vorderseite des Halses, und der Atemzug wird etwas länger als sonst. Der Blick findet nirgends Halt und irrt durch die Dunkelheit. Die Fußsohlen stehen auf dem gefrorenen Boden, die beiden Hände wärmen sich langsam in den Taschen.
Wenn der Blick, der den ganzen Tag nur nach unten gerichtet war, sich nach oben öffnet, treten die Dinge, die dringend zu erledigen sind, für einen Moment zurück. Die Hast verschwindet nicht, ihr Geräusch wird nur für kurze Zeit leiser.
Öffnen wir ein Fenster oder gehen wir drei Schritte vor die Tür und schauen wir etwa dreißig Sekunden zum Himmel hinauf. Es macht nichts, wenn keine Sterne zu sehen sind. Wie wäre es, mit zurückgelegtem Kopf nur zu beobachten, wie sich der Atem verändert?
Die gleichen dreißig Sekunden haben auch Platz, während man vom Abendspaziergang zurückkommt und vor dem Hauseingang auf den Aufzug wartet. Man kann die Augen, die der Stockwerksanzeige gefolgt sind, kurz schließen und mit dem Handrücken ertasten, wie sich der Bauch unter dem Mantel hebt und senkt. Der draußen ausgekühlte Stoff macht die Bewegung stumpf, sodass sie vielleicht kaum zu fassen ist. Ist sie nicht zu fassen, schaut man eben so hin und hört auf, sobald sich die Tür öffnet.
Den Stern, der in den Zweigspitzen hängt, sieht, wer nach unten schaut, am Ende nicht.
