
Eine Welle rollt flach heran und zerbricht weiß auf dem nassen Sand. Das Nachmittagslicht legt sich schräg darüber, die Wasseroberfläche glänzt wie feine Fältchen, und der Sand ist von Nässe durchzogen und dunkelbraun. Die Wellen sind nicht groß. Auf einer Höhe, die nicht einmal über das Knie reicht, brechen sie, verschwinden und kommen wieder.
Wer diese Szene lange betrachtet, dessen Blick löst sich von selbst aus dem Fokus. Wenn das Wasser heranrollt, sinken die Schultern ein wenig, wenn es zurückweicht, lockern sich die Fingerspitzen. Die Fußsohlen tasten unwillkürlich still nach dem Boden. Dass der Körper dem Rhythmus folgt, braucht keine Erklärung.
An hektischen Tagen ist der Atem meist kurz, weil er die nächste Aufgabe drängt. Man atmet aus, bevor man eingeatmet hat, und zählt beim Ausatmen schon die nächsten Aufgaben ab. In den Wellen liegt kein solches Drängen.
Ob am Fenster oder am Schreibtisch, senken wir die Lider halb und atmen ein, so weit eine Welle kommt, und aus, so weit sie zurückweicht. Dreimal genügt. Auch ohne es eigens in die Länge zu ziehen, wie wäre es, nur eines nach dem anderen abzustimmen?
Dieselbe Rechnung geht auch im Aufzug auf. Während die Stockwerksanzeige eine Ziffer nach der anderen wechselt, kann man einmal einatmen und, während die Tür sich schließt, langsam ausatmen. Dabei darf man auch kurz nachsehen, in welchem Zustand der Nacken ist. Es genügt zu bemerken, ob dieser kurze Abschnitt von den Schultern zum Hinterkopf steif verriegelt ist oder so gelöst, dass der Kopf ein wenig schwankt.
Die Wellen rollen weiter heran und bereiten die nächste Linie vor.
