
Lassen sich Produktion und Beschäftigung steigern und zugleich die Emissionen senken? Diese Frage wurde lange mit „Ja“ beantwortet. Die Annahme war, dass technische Verbesserungen und die Energiewende beide Ziele zugleich erfüllen. Kim Byung-kwons „Ökonomie für das Klima“ (기후를 위한 경제학, Chakhan Chaekgage, 2023) stellt diese Annahme selbst auf den Prüfstand.
Das Buch behandelt das Klimaproblem nicht als Angelegenheit des Umweltbereichs, sondern im Rahmen der Ökonomie. Es fragt danach, welche Anpassungen nötig sind, wenn Kennzahlen wie Wachstumsrate, Produktivität und Investitionen auf die physische Schranke des CO2-Budgets treffen. Der Ton der Darstellung ist streitbar und legt Gewicht darauf, die Begriffe zu ordnen.
Was Praktiker bearbeiten, sind am Ende zwei Kennzahlen. Die eine ist das Finanzergebnis, das Wachstum ausweist, die andere die Emissionsmenge, die sinken soll. Wenn beide Werte im selben Bericht in entgegengesetzte Richtungen weisen, sagt das Formular nicht, womit sich das begründen lässt.
Die Stärke des Buches liegt darin, dass es die Sprache dieser Erklärung aus der Ökonomie bezieht. Ein Ansatz, der die Emissionsminderung nur als Kostenposten verbucht, und ein Ansatz, der sie als Neugestaltung des Wachstumspfads selbst versteht, kommen bei denselben Daten zu unterschiedlichen Schlüssen. Wenn man diesen Unterschied auf begrifflicher Ebene geordnet hat, ändert sich die Argumentationslogik des Dokuments.

Auch die Grenzen sind zu nennen. Da es sich um ein Werk von 2023 handelt, sind Details späterer Regelwerke oder aktuelle Emissionsstatistiken hier nicht zu finden. Für Leser, die die Umstellungskosten nach Branchen in Zahlen nachprüfen wollen, bleiben manche Stellen dünn. Es ist eher ein Buch, das die Annahmen der Rechnung noch einmal in den Blick nehmen lässt, als ein Rechner.
Im Vergleich damit, dass Bücher zum Klima ihren Raum meist auf wissenschaftliche Fakten, individuelles Handeln oder internationale Verhandlungen verteilen, ist der Unterschied deutlich. Da es das Ziel Wachstum selbst innerhalb der Ökonomie neu prüft, sind die Berührungspunkte mit den Fragen der Finanz- und Strategieabteilungen von Unternehmen breit.
Der Leserkreis, dem sich das Buch empfehlen lässt, ist eng und klar. Es sind Praktiker, die Berichte selbst verfassen oder prüfen, Planer, die Minderungsziele in Geschäftspläne einarbeiten müssen, und jene, die Finanzprodukte mit Klimabezug entwerfen. Wer Umstellungsszenarien begutachtet, kann es auch nutzen, um die Prüfkriterien zu kontrollieren.
Eine Bemerkung zur Haltung beim Lesen sei angefügt. Wer es aufschlägt, um Antworten zu bekommen, wird enttäuscht, wer es aufschlägt, um die Annahmen der Sätze zu prüfen, die er gerade schreibt, findet etwas. Der Ausgangspunkt dieses Buches ist, dass sich über Wege der Anpassung erst reden lässt, nachdem man eingeräumt hat, dass Wachstum und Minderung kollidieren. Wer Finanzergebnisse und Emissionen in einem Dokument zusammen darstellen und erklären muss, kann diesen Ausgangspunkt noch einmal abschreiten.
