
Die koreanische Polizeibehörde hat am 20. das „Gesamtkonzept 2026 zur Suizidprävention unter Polizeikollegen" vorgestellt. Kern ist, dass die bisher alle fünf Jahre durchgeführte Untersuchung auf einen Zweijahresrhythmus vorgezogen wird und die regelmäßige psychologische Beratung, die es nur in einzelnen besonders belasteten Abteilungen gab, auf alle Beschäftigten ausgeweitet wird. Yu Jae-seong, kommissarischer Leiter der Polizeibehörde, sagte, man wolle von dem Verfahren abrücken, bei dem der Einzelne aushalten oder selbst um Hilfe bitten musste. Die Organisation werde von sich aus nachsehen und die Unterstützung bis zum Ende weiterleiten.
Von 2020 bis 2024 lag die Selbstmordrate bei Polizisten bei 17,7 pro 100.000 Einwohner. Bei Beamten außerhalb der Polizei waren es im selben Zeitraum 8,6. Das ist ein Unterschied um das 2,1-Fache.
In Personen umgerechnet sind das im Jahresdurchschnitt 23. 2025 schieden 25 Menschen aus dem Leben, und auch in diesem Jahr kamen bis August 16 Menschen ums Leben. Von den 35 Beamten, bei denen zwischen 2017 und 2021 ein Zusammenhang zwischen Suizid und Dienst anerkannt und der Tod als Dienstunfall eingestuft wurde, waren 12 Polizisten. Das ist etwa jeder Dritte.
Am stärksten verändert sich mit diesem Konzept der Charakter der Untersuchung. Das bisher unter dem Namen „Eignungsprüfung für den Polizeidienst" durchgeführte Verfahren, das die Fähigkeit zur Dienstausübung prüfte, wird zur „Gesamtuntersuchung der psychischen Gesundheit von Polizisten" umgestaltet. Gemeint ist damit, den Zustand der Psyche unter Gesundheits- und Fürsorgegesichtspunkten zu betrachten, wie man den Zustand des Körpers betrachtet, und auch der Rhythmus verkürzt sich von fünf auf zwei Jahre.
Wichtiger ist, was nach dem Ergebnis geschieht. Wer als Hochrisikogruppe oder als auffällig eingestuft wird, den ruft ein Berater direkt an und vermittelt bei Bedarf bis hin zur ärztlichen Behandlung.
Die psychologische Beratung wird schrittweise ausgeweitet. In diesem Jahr wird an fünf Dienststellen eine verpflichtende psychologische Beratung für alle Beschäftigten erprobt, 2027 werden an 60 Polizeidienststellen Berater eingesetzt. Als Ziel wurde gesetzt, dass am Ende alle Polizisten mindestens einmal im Jahr eine Beratung erhalten. Welche Dienststellen an der Erprobung teilnehmen und nach welchen Kriterien die 60 Dienststellen ausgewählt werden, wird im Zuge des Umsetzungsplans festgelegt.
Auch die Hürde bei den Behandlungskosten sinkt. Bisher musste man beim Maeum-donghaeng-Zentrum eine Vorabberatung in Anspruch nehmen, um einen Zuschuss zu den Kosten einer psychiatrischen Behandlung zu erhalten. Künftig werden die Kosten auch dann übernommen, wenn man ohne dieses Verfahren direkt eine Partnerklinik aufsucht. Damit sollen Verzögerungen der Behandlung durch Terminvergabe und Wartezeiten in der Beratung verringert werden.
Auch die Betreuung nach belastenden Erlebnissen wurde überarbeitet. Die Situationen, in denen psychologische Soforthilfe in Anspruch genommen werden kann, werden von der Beobachtung eines Todesfalls oder einer unmittelbaren Lebensgefahr auf den Suizid eines Kollegen sowie auf Katastrophen und gesellschaftliche Unglücke ausgeweitet. In jeder Polizeidienststelle wird ein „Rat zum Schutz des Lebens in der Polizei" eingerichtet, der den Zustand von Beschäftigten überprüft, die ein belastendes Ereignis erlebt haben, die im Dienst verletzt wurden oder die aus längerer Krankschreibung oder Beurlaubung zurückkehren. Der Rat kann Krankschreibung und Beurlaubung empfehlen, die Arbeitszeit anpassen und bis hin zu einer Änderung der Aufgaben oder der Verwendung entscheiden.
Auch das Verfahren nach einem Todesfall wurde in das Konzept aufgenommen. Es wird eine Hotline eingerichtet, die die Zentrale, die Landespolizeibehörden und die Polizeiwachen verbindet, und ein „für Hinterbliebene zuständiger Polizeibeamter" benannt, der bei Bestattung und Verwaltungsverfahren hilft.
Am selben Tag kündigte auch der Bezirk Mapo ein Projekt zur Unterstützung der psychischen Gesundheit von Bauarbeitern an. Gemeinsam mit der behördenübergreifenden Zentrale zum Schutz des Lebens beim Amt für Regierungskoordinierung und der Bauarbeiter-Versorgungskasse werden ab dem 24. August jeden zweiten und vierten Montag im Monat von 14 bis 17 Uhr im Bauarbeiter-Ruheraum in der Mapo-daero 45 kostenlose Beratungen angeboten. Berater des Gesundheitsamts kommen in den Ruheraum, messen den Stress und führen ein Screening auf Depressionen durch, Personen der Hochrisikogruppe werden an das Zentrum für psychische Gesundheit und Wohlfahrt des Bezirks Mapo oder an eine fachliche psychologische Beratung vermittelt. Im Juli lag die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe bei 1.865.000 und damit um 57.000 niedriger als ein Jahr zuvor.
Das Konzept ist vorgestellt, und wann der Untersuchungsrhythmus tatsächlich auf zwei Jahre umgestellt wird und wie die fünf Dienststellen der Erprobung heißen, wird sich über den Umsetzungsplan zeigen. Nur wenn ein als Hochrisiko eingestufter Polizist nicht befürchten muss, wegen dieser Einstufung Nachteile zu erleiden, erfüllt die Untersuchung ihren Zweck als Untersuchung. Ob jemand, der den Anruf des Beraters entgegennimmt, das Gespräch unbefangen fortsetzen kann, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg dieses Konzepts.
