
Ein schwarzgrünes Moospolster bedeckt die untere Hälfte des mittleren Steins. Der Rand ist gezackt wie eine Säge, und am dichtesten ist das Grün am oberen Saum des Polsters. Der Ton des Steins bleibt nicht bei einem einzigen Grau.
Stellenweise treten rosa und schwach rötliche Töne hervor, und auf der Oberfläche des oberen Steins liegt eine dünne hellgrüne Staubschicht. Es ist ein bewölkter Mittag fast ohne Schatten.
Eine Fuge verläuft waagerecht, eine senkrecht, und sie trennen drei Steinblöcke voneinander. Es sind von Menschen gezogene Linien. Das Moos ist über diese Linien hinweggewachsen und hat bis auf den oberen Stein ein blassgrünes Band gelegt.
Was die Hände beim Aufschichten der Mauer aneinander anpassten, waren Flächen und Kanten. Das Moos kam danach. Während mehrfach die Regenzeit vorüberzog und der Schatten lange auf derselben Seite blieb, breitete sich ein Muster, das kein Mensch geordnet hat, über den roten Stein aus.
Die Kraft, mit der eine alte Mauer den Blick festhält, kommt zur Hälfte aus dem Handwerk des Aufschichtens, zur anderen Hälfte aus den Sommern, die darüber hinweggegangen sind. Bei der Pflege ist es immer schwer zu entscheiden, wie weit man abtragen soll.
Noch einmal der Blick auf den rechten Stein. Es ist dasselbe Moos, doch das Grün ist fast verschwunden, und nur dunkle Flecken sind wie Krusten geblieben. Es ist die Seite, an die weniger Wasser gelangt. Über dem Moos in der Mitte liegen verstreut einige Stängel wie trockene Fäden, die zeigen, dass auch dort, wo das Grün am kräftigsten ist, absterbende Teile dazwischenliegen.
In der oberen linken Ecke steckt ein weißer Kieselstein im Fleisch des Steins. Ein kleines Korn, das am Tag des Mauerbaus in den Mörtel geraten sein dürfte, sitzt unverändert da.
Folgt man mit den Augen dem Rand des Mooses, ist unklar, ob der Regen oder der Schatten diese Linie gezogen hat.
