
Ein dicker Stamm teilt sich in der Bildmitte in mehrere Richtungen, dann reichen die Äste nach links und rechts tief hinaus bis über das Foto hinweg. An der Rinde sitzt fleckig Moos, darauf wächst etwas wie grünes Gestrüpp. Es ist Mittag.
Das Licht, das durch die Blätter fällt, macht Flecken auf dem Boden, und der Rasen rechts vom Baum ist blendend hell. Die Erde um die Wurzeln herum liegt braun und gedämpft da, weil die Sonne sie nicht erreicht.
Wer unter so einem Baum steht, legt zuerst den Nacken zurück. Vom Hinaufschauen hebt sich das Kinn, und die Schultern öffnen sich von selbst nach hinten. Die Erde unter den Fußsohlen ist fester als der Rasen und etwas kühler.
Die Eile im Kopf kommt hier um einen Takt aus dem Tritt. Dieser Baum hat wohl hundert Jahre gebraucht, um einen einzigen Ast zur Seite zu schieben, und der Mensch darunter zählt die Minuten bis zum Termin in fünf Minuten.
Man könnte auch einmal um den Stamm herumgehen. So nah, dass die Fingerspitzen die Rinde streifen, und die Füße so setzend, dass man nicht über die Wurzeln stolpert. Nach etwa einer halben Runde wandert der helle Rasen von vorhin hinter den Rücken, und das Blickfeld wird dunkler.
Wenn man die Stelle, an der sich die Textur des Schattens ändert, mit den Augen gefunden hat, ist die Runde zu Ende. Es dauert nicht lange.
Denselben Schritt kann man auch abends vor dem Abwasch machen. Statt um die Spüle herumzugehen, verlagert man beim Abwaschen eines einzigen Tellers das Gewicht langsam vom linken auf den rechten Fuß und achtet dabei auf die Spannung im Kiefer. Ob die Zähne aufeinandergehen, je lauter das Wasser rauscht, oder ob der Mund sich ein wenig öffnet.
Die Astspitzen wachsen immer noch irgendwohin, und der Schatten darunter rückt auch heute Nachmittag Stück für Stück weiter.
