
Trübes Fensterlicht fällt über die Glasplatte und legt sich flach auf die graue Karte. Die Hand mit dem hölzernen Federhalter hat gerade den ersten Strich gesetzt, der Deckel des Tintenfasses steht offen. Die andere Hand hält die Ecke des Papiers fest. Der weiße Ärmel, der rosa Umschlag und der rote Ton der daneben gestapelten Buchrücken wärmen das kühle Grau.
Wer eine solche Szene lange betrachtet, dessen Körper macht still mit. Die Schultern sinken um eine halbe Handbreit, der Blick verengt sich auf einen Punkt an der Fingerspitze. Der Atem wird um einen kurzen Satz länger. Man stellt sich vor, wie das Gefühl der Handfläche auf dem Papier bis in die Fingerspitzen zieht.
Was im Inneren dabei auffällt, ist das Aufschieben. Sätze, die man sagen möchte, die man aber zusammengefaltet liegen lässt, weil nicht feststeht, wohin sie gehen sollen, sammeln sich irgendwo im Körper.
Man kann von einem Brief, der nicht abgeschickt wird, auch nur eine Zeile schreiben. Der Name des Empfängers muss nicht dabeistehen, und man darf das Blatt gefaltet in die Schublade legen. Und wenn alles geschrieben ist, warum nicht einfach das Papier ansehen, bis die Tinte trocken ist.
Es gibt keinen Grund, dieselbe Zeile nur am Schreibtisch zu schreiben. Auch die Zeit, in der man auf der Bank an der Haltestelle beim Warten auf den Bus ein Notizbuch auf die Knie legt und unter trübem Himmel kurz etwas hinschreibt, hat ihre eigene Textur. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Spannung im Kiefer. Ob untere und obere Zähne aufeinanderliegen, ob es bei den Backenzähnen zieht, ob der Kiefer mit hart wird, wenn man die Buchstaben aufdrückt, das lässt sich in Ruhe abtasten.
Auch wenn der Stift weggelegt ist, bleibt die Zeile auf dem Papier dort stehen und hält den Nachmittag.
