
Zwei Hände in einem gestreiften Hemd halten ein graues Strickstück. Zwei Holznadeln fahren zwischen den Maschen hinein und heraus, und der fertige Teil hat sich als dickes Bündchen um das Handgelenk gerollt. Das Licht aus dem Fenster fällt gleichmäßig auf die Falten der Handrücken und die Fusseln des Garns, und ein Faden, der über den Schreibtisch hängt, ist so lang wie der Nachmittag.
Wer ein solches Bild lange betrachtet, dem sinken die Schultern von selbst. Während sich der Blick auf den einen Punkt an der Nadelspitze sammelt, wird der Atem etwas länger, und die Finger bewegen sich leicht, als erinnerten sie sich an ihre Reihenfolge. Die Fußsohlen bleiben auf dem Boden und werden still.
Je mehr jemand im Kopf ständig etwas ausrechnet, desto länger vermisst er diese Wiederholung. Weil die Gedanken nirgendwohin vorauslaufen können, weil man mit einer Masche nur um eine Masche vorankommt.
Wie wäre es, drei Minuten lang etwas anzufassen, das gerade in der Hand liegt. Es braucht keine Stricknadeln. Beim Zusammenlegen eines trockenen Handtuchs, beim Spitzen eines Bleistifts oder beim Abtrocknen einer Tasse überlässt man den Körper der Reihenfolge, die die Hände kennen.
Man kann dieselben drei Minuten auch ans Ende des Abendabwaschs verlegen. Während man die abgetropften Teller einen nach dem anderen aufstellt, schaut man nach, wie viel Kraft in den Fingern steckt, die den Tellerrand halten. Ob man fest zugegriffen hat aus Angst vor dem Ausrutschen oder gerade nur das Gewicht getragen hat. Es genügt, still zu vergleichen, wie sich diese Kraft von der Hand unterscheidet, die die Maschen abhob.
Vom Garn ist noch viel übrig, und die paar Reihen von heute liegen einfach da.
