
Zwischen zwei Bäumen mit rauer Rinde ist eine Hängematte gespannt. Die Hanffäden sind vom langen Sonnenlicht ausgeblichen, auf jedem Knoten liegt Staub. Das grüne Schattennetz dahinter filtert das Nachmittagslicht und wirft fleckigen Schatten bis ins Innere des Netzes.
Beim Zusehen sinken die Schultern ein wenig. Der Körper ahmt die Rundung dieses lockeren Netzes im Voraus nach. Der Blick bleibt lange an einem Knoten hängen, löst sich dann langsam, und der Atem sinkt eine Handbreit tiefer Richtung Bauch.
In das Gefühl, sich tagsüber immer wieder gegen das Hinlegen zu entscheiden, mischt sich die Angst, faul zu wirken. Das Netz weiß nichts von dieser Angst und hängt einfach da, den ganzen Nachmittag schaukelnd in der Form, in der niemand liegt.
Es reicht, im Sitzen fünfzehn Minuten die Augen zu schließen. Einschlafen muss man nicht. Wenn man einen Wecker stellt und die Hände auf die Knie legt, nutzt der Körper diese Zeit von selbst.
An Tagen, an denen dieselben fünfzehn Minuten schwerfallen, dient manchmal die kurze Spanne, in der die Stockwerksanzeige wechselt, als Ersatz. Während die Aufzugtür sich schließt und man den Rücken an die Wand legt, lohnt es sich, nachzuspüren, wie weit der Nacken von der Schulter aus steif weiterläuft. Wie bei den Knoten des Netzes kann sich eine Stelle besonders hart anfühlen, oder es fühlt sich gar nichts. Es gibt auch die Möglichkeit, dieses Gefühl nicht beheben zu wollen und es bis zum Zielstockwerk so zu lassen.
Das Netz hängt auch am Abend noch da und schaukelt bei jedem Windzug ein wenig.
