
Die untere Hälfte des Bildes besteht ganz aus Bäumen. Das Licht des nahen Mittags bricht sich weiß auf den Oberseiten der Blätter, das beschattete Innere sinkt schwarzblau ab. Erst jenseits dieses grünen Kamms beginnen weiße Wohnhauswände und rote Dächer, und noch weiter dahinter stehen die Hochhäuser der Innenstadt in nebligem Grau. Am Himmel hängen tief dicke Kumuluswolken.
Die Reihenfolge des Fotos fällt auf. Auf Stadtfotos treten Bäume gewöhnlich als Schmuck auf, der zwischen die Gebäude gesetzt ist, hier nimmt der Wald die vordere Bildfläche ein und die Stadt ist nach hinten gerückt. Das dürfte daran liegen, dass die Kamera auf einem Hügel stand, doch dieser zufällige Blickwinkel rückt für einen Moment die Verhältnisse zurecht, die sonst vertauscht sind.
Jene Ansammlung von Bäumen sieht still aus, arbeitet aber den ganzen Tag. Die Blätter binden den Kohlenstoff aus der Luft und lagern ihn im Stamm ein, mit Schatten und Verdunstung kühlen sie die Wärme ab, die der Asphalt aufgeheizt hat. Der Boden unter den Wurzeln nimmt den fallenden Regen auf und lässt ihn langsam abfließen. Auf jenem Hügel steht eine Vorrichtung, die innerhalb der Stadt zurückgibt, was die Stadt ausgestoßen hat.
Eine solche Landschaft blieb erhalten, weil es Menschen gab, die sie erhalten wollten. Auf der Karte ist Grün das Feld, das sich am leichtesten löschen lässt, wenn ein Bauvorhaben ansteht. Ein alter Baum im Viertel, eine Leerzeile im Bebauungsplan machen am Ende die untere Hälfte dieses Fotos aus.
Sehen wir uns das Foto noch einmal an. Überlegen wir, was übrig bleibt, wenn man den Wald im unteren Bildteil löscht, und womit man diese leere Fläche dann füllen wird. Auf welcher Seite jenes Fotos steht das Grün, das jetzt vor dem Fenster liegt?
