
Ein Wasserstrahl fällt gerade von oben ins Bild und läuft in die weiße Tasse. Auf der Seite der Tasse sind ein grauer Zweig und zwei Beeren gemalt, der Henkel öffnet sich rund nach links. Die Fenstersprossen im Hintergrund verschwimmen und teilen das Grün draußen in einige Stücke.
Die Wand rechts ist ein trübes Orangerot, hinter dem Glas links ein noch dunkles Grün. Der Dampf steigt vom Rand der Tasse auf, legt sich um den Wasserstrahl und verschwindet nach oben. Es ist das Licht einer frühen Stunde, bevor die Sonne ganz aufgegangen ist, ohne eingeschaltetes Zimmerlicht.
Wer eine solche Szene betrachtet, dessen Blick bleibt von selbst an einer Stelle hängen. Etwa zwei Fingerglieder über dem Rand der Tasse, dort, wo der Dampf seine Form verliert.
Geht der Blick dorthin, löst sich der Kiefer ein wenig. Erst dann merkt man, dass man die Backenzähne zusammengebissen hat, und der Weg, den der Atem nach unten nimmt, wird etwa eine Handspanne länger. Das Geräusch des fallenden Wassers wird tiefer, je voller die Tasse wird. Während man diesem Tieferwerden folgt, entfernen sich die Schultern von den Ohren.
Ein beschäftigter Mensch wartet nicht auf den Tee, er erledigt ihn. Kaum ist das Wasser eingegossen, nimmt er die Tasse und geht an seinen Platz zurück, und weil sie zu heiß ist, stellt er sie ohne einen einzigen Schluck auf den Schreibtisch. Verschwunden ist das Warten, nicht die Zeit.
Wenn es heute einen Tee zu trinken gibt, kann man vor dem ersten Schluck dreimal dem Dampf mit den Augen folgen. Einmal der Stelle, an der er aufsteigt, einmal der Höhe, in der er sich auflöst, einmal der leeren Luft, die bleibt, nachdem der Dampf verschwunden ist. Dreimal dauert etwa dreißig Sekunden.
Dieselben drei Male lassen sich auch beim Abwasch am Abend versuchen. Man sieht dreimal auf den Dampf, der aufsteigt, wenn warmes Wasser aus der Leitung zu laufen beginnt, und prüft dabei, wie viel Kraft im Handgelenk steckt. Wie steif die Finger sind, die den Schwamm halten, weiß man nicht, bevor man hinsieht. Es geht nicht darum zu sagen, dass etwas besser wird, es ist eher ein Nachsehen.
Die Tasse füllt sich am Ende, und der Dampf löst sich ohnehin auf. Die wenigen Sekunden dazwischen nimmt niemand weg.
