
Ein mittelständisches Chemieunternehmen, das seinen alten Kessel durch eine kohlenstoffarme Anlage ersetzen will, hält einen Kostenvoranschlag in der Hand. Der Anlagenpreis liegt vor, und auch die Minderungswirkung erscheint auf dem Taschenrechner. Doch niemand kann den Namen eines Finanzprodukts nennen, das dieses Unternehmen aufnehmen würde. In einer Zeit, in der das Wort Klimafinanzierung in keinem Konferenzsaal der Welt fehlt, gibt es für jene, die tatsächlich die Produktionslinie anhalten und die Anlage herausreißen müssen, nicht einmal einen passenden Namen, mit dem sie das Geld rufen könnten.
In derselben Woche standen zwei Nachrichten nebeneinander. Die Weltbank hat das Klimafinanzierungsziel zurückgenommen, das sie sich selbst gesetzt hatte, und im Inland kam die Diskussion auf, dass die Transitionsfinanzierung nicht bei Erklärungen stehen bleiben, sondern in tatsächliche Produkte und Strategien münden müsse.
Zwei Strömungen, die auf entgegengesetzten Seiten zu stehen scheinen, zielen am Ende auf denselben Punkt.
Ziele zu setzen und Mittel in die Realwirtschaft zu schieben sind verschiedene Techniken. Das Erste endet im Sitzungsprotokoll, das Zweite muss Kreditprüfer, Kreditrichtlinien und Sicherheitenbewertung passieren. Was in den vergangenen Jahren zunahm, war überwiegend das Erste. Je größer die Gesamtmenge der Erklärungen wurde, desto schwerer ließ sich prüfen, wie weit diese Erklärungen die tatsächliche Auszahlung abbilden.
Das Zeugnis der Klimafinanzierung lässt sich nicht an den zugesagten Zielquoten bemessen, es muss an der Zahl und der Summe der Fälle bemessen werden, in denen Anlagen tatsächlich ausgetauscht wurden.
Die Gegenlogik ist nicht leicht zu entkräften. Sie lautet, dass sich eine Organisation nur bewegt, wenn es Zielwerte gibt. Quotenziele wirken als Bindeglied zur internen Budgetverteilung und zur Personalbewertung, und ohne dieses Bindeglied rückt die klimabezogene Prüfung stets nach hinten.
Auch die Sorge über die Entscheidung der Weltbank, das Ziel zurückzunehmen, hat hier ihren Grund. Es ist die Sorge, dass mit dem Ziel auch die Begründung verblasst.
Der Einwand ist berechtigt. Dennoch lässt sich mit einem Quotenziel allein nicht bestimmen, wohin das Geld geht. Je nachdem, wie Nenner und Zähler gefasst werden, liest sich dasselbe Portfolio als erfüllt oder als verfehlt.
Der Anlagenaustausch in kohlenstoffintensiven Branchen mit großer Minderungswirkung fällt in den Klassifizierungskriterien leicht heraus, und Vorhaben, die von vornherein wenig ausstoßen, werden mühelos als Leistung verbucht. Der schnellste Weg, die Zielquote zu füllen, kann an den Stellen vorbeiführen, an denen der Umbau am dringendsten ist.
Auch der Hintergrund, vor dem der Begriff Transitionsfinanzierung im Inland an Kraft gewinnt, liegt hier. Für die Senkung der Gesamtemissionen ist es wirksamer, Geld dafür einzusetzen, schmutzige Prozesse weniger schmutzig zu machen, als Geld auf von vornherein saubere Vorhaben zu legen. Die Diskussion kommt voran, wenn in die Produktbedingungen aufgenommen wird, wie der Minderungspfad überprüft wird und welche Auflagen für Kreditnehmer gelten, die das Ziel unterwegs verfehlen.
Was künftig zu prüfen ist, liegt also jenseits der Prozentzahlen, die die Institute ausgeben. Ob in den Kreditprüfungsbögen eine neue Rubrik für den Minderungspfad hinzugekommen ist, ob die Spanne der Zinsanpassung an die tatsächliche Minderungsleistung gekoppelt ist, und ob jenes Chemieunternehmen mit dem Kostenvoranschlag am Schalter den Namen eines Produkts zu hören bekommt. Erklärungen haben sich zur Genüge angesammelt. Nun müssen diese Erklärungen in Sätze eines Vertrags übertragen werden.
