
Vier Hände umfassen einander auf einem Esstisch aus hellem Kiefernholz. Die Hand von links hat den Ärmel eines graublauen Hemdes umgeschlagen, die Hand von rechts streckt den Handrücken aus einem haferfarbenen Strickpullover heraus. Das Licht, das durch das Fenster fällt, zeichnet Sehnen, Altersflecken und verdickte Gelenke einzeln nach.
Ein Gesicht ist nirgends im Bild zu sehen. Trotzdem stehen die Jahre, die beide gemeinsam durchlebt haben, vollständig auf den Handrücken geschrieben.
Sorgearbeit beginnt meist in dieser Form. Ein Medikamentenpäckchen öffnen, Knöpfe schließen, die kalt gewordene Suppe aufwärmen, nachts mehrmals die Zimmertür öffnen, all das geschieht mit den Fingerspitzen. Solche Arbeit wird nur selten festgehalten.
Sie findet im Haus statt, sie wird nicht in Geld bemessen, und nicht einmal die Menschen, die sie leisten, sagen, dass sie gearbeitet haben. Auch wenn lange darüber gesprochen wurde, dass die Gesellschaft die Sorgearbeit gemeinsam tragen soll, bleibt ein großer Teil weiterhin zwischen den Händen zweier Menschen, die sich gegenübersitzen.
Der Blick geht noch einmal zum unteren Bildrand. Das glatte Holz endet, und ein grob gewebter brauner Stoff verläuft schräg darüber. Die übereinandergelegten Hände liegen auf dieser Grenze.
Auch die Ärmelenden sind verschieden. Beim Hemd links steht die Bügelfalte gerade, beim Strickpullover rechts bedeckt der vom vielen Waschen ausgeleierte Saum das Handgelenk. Der eine ist wohl von draußen zurückgekommen, der andere hat den ganzen Tag an diesem Esstisch ausgeharrt. Der verbreitete Umstand, dass Sorgearbeit sich auf eine Seite neigt, hat sich still in die Beschaffenheit der Ärmel gelegt.
Sieht man erneut hin, lässt sich nicht leicht trennen, wer hält und wer gehalten wird. Die Hand, die den Handrücken bedeckt, und die Hand, die von unten gestützt wird, haben aneinander gelehnt gerade eben ein niedriges Dach gebildet.
