
Wenn das Wasser abläuft, kommt der schwarze Steinwall zum Vorschein. Vor der Küste von Geumneung-ri in der Gemeinde Hallim auf Jeju findet im Juli das 17. Geumneung-Wondam-Festival statt. Der Wondam, den die Fischereigenossenschaft des Dorfes über Generationen instand gehalten hat, wird unmittelbar zur Bühne.
Der Wondam ist ein Steinwallnetz, das den Tidenhub nutzt. Fische, die mit der Flut hereinkommen, werden beim Ablaufen des Wassers innerhalb des Steinwalls eingeschlossen. Weder Netz noch Boot kommen zum Einsatz. Basaltsteine werden ineinander verzahnt aufgeschichtet, sodass die Wellen hindurchlaufen und die Fische dennoch gehalten werden, und das Gespür in den Fingerspitzen beim Schichten war dabei die eigentliche Technik.
Der zentrale Programmpunkt des Festivals ist der Fischfang von Hand. Im knietiefen Wasser tasten die Teilnehmer mit den Händen nach Fischen. Bei der begleitenden Mitmachaktion zur Wiederherstellung des Wondam werden eingestürzte Wälle neu aufgeschichtet. Ein Programmpunkt, bei dem man körperlich lernt, wie schwer ein einzelner Stein ist und in welchem Winkel er aufgelegt werden muss.
Bemerkenswert ist, dass dieses Spiel ursprünglich Arbeit war.
In einer Zeit, als das Meer nicht unter Einzelnen aufgeteilt, sondern vom Dorf gemeinsam verwaltet wurde, teilten die Dorfbewohner die Fische, die in den Wondam gerieten. Stürzte der Steinwall ein, ging man gemeinsam hinaus und schichtete ihn auf. Mit der Mechanisierung des Fischfangs und der Abwanderung der jungen Generation aus dem Dorf verlor der Wondam seinen Nutzen, und die von Taifunen zerstörten Wälle lagen lange brach. Die verbliebenen Wälle zu bewahren, ist heute weitgehend Sache älterer Haenyeo und Mitglieder der Fischereigenossenschaft.
Den Wondam über ein Festival zu beleben, bringt Reibungen mit sich. Kommen viele Menschen herein, wird der Steinwall betreten und gerät ins Wanken. In dem Moment, in dem er zum Tourismusprogramm wird, hört der Wondam mitunter auf, eine Fischereianlage zu sein, und wird zum Erlebnisgelände.
Lässt man ihn andererseits unberührt, zerfällt der Wall in der Brandung. Bewahren durch Nutzung oder Schließung zum Schutz. Das ist die Frage, mit der sich die Fischereigenossenschaft von Geumneung im siebzehnten Jahr beschäftigt.
Die Mitmachaktionen richten sich nach den Gezeiten. Die Uhrzeit, zu der das Wasser aus dem Wondam abläuft, ist zugleich die Uhrzeit der Veranstaltung, deshalb empfiehlt es sich, vor dem Besuch die Niedrigwasserzeit des jeweiligen Tages nachzusehen. Da man über Felsen im Watt geht, sind Schuhe mit dicker Sohle nötig. Von barfuß wird abgeraten.
Das im Steinwall eingeschlossene Wasser ist an einem Hochsommertag mehr als lauwarm, es heizt sich auf. Das Gefühl, in diesem flachen Wasser die Hand auszustrecken und einen Fisch zu fassen, lässt sich schwer in Worte übertragen. Steigt das Wasser wieder, versinkt der Wall und das Meer wird flach. Ob diese zwei Stunden die Fahrt nach Hallim wert sind, entscheidet sich, wenn man die Füße ins Wasser gestellt hat.
Veranstaltungsinformationen
Termin: Juli 2026, je nach Gezeiten
Ort: Bereich des Wondam in Geumneung-ri, Hallim-eup, Jeju-si, Jeju
Veranstalter: Fischereigenossenschaft Geumneung-ri
