
18,4 Gigawatt. So groß ist insgesamt die Kapazität der KI-Rechenzentren, die die Regierung nach eigenen Angaben bis 2035 errichten will. Auf der Bürgerkonferenz „Drei Megaprojekte für den großen Sprung der Republik Korea“ am 29. Juni wurden die Förderpläne für Halbleiter, physische KI und KI-Rechenzentren gemeinsam vorgestellt. Auf dieser Konferenz versprach die Regierung, 100 GW erneuerbare Energien vorzeitig zu erreichen, und kündigte an, unter der Vision eines „Stromstaats, der das KI-Zeitalter anführt“, erneuerbare Energien, Kernkraftwerke sowie Übertragungs- und Verteilnetze allesamt auszubauen.
Es ist die Ankündigung, stromintensive Industrien aufzubauen und dabei den Kohlenstoffausstoß zu senken. Zum ersten Mal fasst eine Ankündigung beide Ziele in einem Satz zusammen.
Für den Südwesten des Landes wurde das Konzept einer Halbleiter-Produktionsbasis im Umfang von 800 Billionen Won vorgelegt. Einzelheiten wie die Investoren und der Zeitpunkt der Umsetzung bleiben den Folgeplänen überlassen. Hinter der Wahl des Südwestens als Standort steht dennoch der Strom.
Nach den Statistiken des Stromversorgers KEPCO (한국전력) liegt die Photovoltaik landesweit bei etwa 32 GW, davon entfallen auf Honam mit 11 GW mehr als ein Drittel. Das Kernkraftwerk Hanbit in Yeonggwang steuert etwa 5 GW bei. Die Erzeugungsanlagen Honams aus Kernkraft und erneuerbaren Energien zusammen übersteigen das Dreifache des Stroms, den die Region verbraucht. Das Konzept sieht vor, Industrien mit hohem Strombedarf in einer Region mit Stromüberschuss anzusiedeln.
Der Engpass liegt bei den Leitungen. Die Strombörse KPX (전력거래소) erwartet, dass 12 der 13 Übertragungsleitungen in der Region Honam bis 2030 ausgelastet sein werden. Ist der Weg versperrt, über den der überschüssige Strom abfließt, nützt der Ausbau der Erzeugungsanlagen nichts.
Die Regierung hat beschlossen, bis 2030 zusätzliche Übertragungsleitungen in Honam zu bauen. Für Rechenzentren, die rund um die Uhr ununterbrochen Strom brauchen, wird dieser Bauzeitplan zum Zeitplan des Vorhabens.
Über die Schwankungen der erneuerbaren Energien gehen die Einschätzungen auseinander. Auf der einen Seite steht die Sorge, ob sich mit Strom, der nur bei Sonnenschein anfällt, eine Halbleiterfabrik betreiben lässt, auf der anderen Seite der Vorschlag, diese Schwankungen auf der Nachfrageseite aufzufangen. Ein Übersichtsartikel des Forschungsteams um Professor Yoo Sun-bin von der Sungkyunkwan-Universität, Professor Choi Sung-jin von der University of Minnesota und Professor Kim Do-hyung von der Kyushu-Universität in der internationalen Fachzeitschrift „Renewable and Sustainable Energy Reviews“ verwies auf das Zweite. Es ist ein „kohlenstoffbewusstes Scheduling“, bei dem zeitlich unkritische Aufgaben wie das Training von KI-Modellen in die Tagesstunden mit viel Sonnenstrom verlegt werden.
Auch der Druck des Marktes wirkt bereits. Apple erklärte 2020, den gesamten Produktionsprozess seiner Produkte bis 2030 zu 100 % mit erneuerbaren Energien zu betreiben, und nahm ab 2022 die Bemühungen um den Einsatz erneuerbarer Energien als wichtiges Bewertungskriterium bei der Auswahl von Zulieferern auf. Mehr als 300 Zulieferer, darunter Samsung Electronics und SK Hynix, haben zugesagt, mehr als 20 GW erneuerbare Energien zu beschaffen.

In den USA schließen Google, Microsoft und Amazon langfristige Stromabnahmeverträge mit Erzeugern und wenden dieselben Maßstäbe auf ihre Zulieferer an. Für koreanische Unternehmen sind erneuerbare Energien eher eine Bedingung, die zu erfüllen ist, um Aufträge zu erhalten.
Europa geht diesen Weg ein Stück voraus. 2025 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung der EU bei 47,3 % und damit 0,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Windkraft war mit 37,5 % am größten, es folgten Photovoltaik mit 27,5 % und Wasserkraft mit 25,9 %.
Die Photovoltaik legte binnen eines Jahres um 24,6 % zu, die Wasserkraft ging um 11,8 % zurück. Dänemark kam auf 92,4 %, Malta bleibt bei 16,2 %.
Es gab auch Kritik. Das Institut für grüne Transformation (녹색전환연구소) bemängelte, in dieser Ankündigung fehlten Grundsätze dazu, wie die Big-Tech-Konzerne erneuerbare Energien beschaffen und wie der Kühlwasserverbrauch der Rechenzentren gesenkt werden soll. Nach der Schätzung dieses Instituts erreichen die kumulierten Treibhausgasemissionen bis 2035 85 Millionen Tonnen, wenn bis 2029 Rechenzentren mit 8,4 GW in Betrieb sind.
Dazu gehört der Hinweis, dass dem Wert ein optimistischer Emissionsfaktor zugrunde liegt. Dass die EU die Offenlegung des Strom- und Wasserverbrauchs von Rechenzentren verpflichtend gemacht und Deutschland eine Bestimmung zur Deckung mit 100 % erneuerbaren Energien eingeführt hat, kommt aus derselben Sorge.
Wichtiger als die Zielmarke von 100 GW ist die Frage, bis wann, über welche Leitungen und zu wem der Strom gelangt. In der zweiten Jahreshälfte werden nacheinander Folgepläne zur Stromversorgung beraten. Werden dabei Abschnitte und Kapazität der Übertragungsleitungen in Honam offengelegt, lässt sich erkennen, ob diese Ankündigung eine Parole oder ein Bauplan war.
Legt der Cloud-Dienst oder das Suchmaschinenunternehmen, das man selbst nutzt, offen, woher es seinen Strom bezieht? Trennen sich die Listen der Unternehmen, die das offenlegen, und derer, die schweigen, dann treibt diese Liste die nächste Politik voran.
