
In den Gruppen zur Jobvorbereitung hat sich das Thema geändert. Es hat sich von der Frage, welches Unternehmen einstellt, hin zu der Frage verschoben, ob es diese Tätigkeit in einigen Jahren noch gibt. Das heißt, dass Leute, die dieselbe Qualifikation vorbereiteten, einander andere Fragen stellen. Die Angst bewegt sich schneller als die Stellenanzeigen.
Im vergangenen Jahr hat sich die Beschäftigungsangst der Jobsuchenden verdreifacht. Eine andere Erhebung aus derselben Woche vermittelt den genau entgegengesetzten Eindruck. Die Berufsgruppe der Softwareingenieure erwies sich demnach als die am wenigsten verunsicherte Gruppe. Nimmt man die Analyse hinzu, dass die Einstellungen auf der Einstiegsstufe zurückgegangen sind, scheinen die drei Datenstränge unterschiedliche Geschichten zu erzählen.
Doch diese drei widersprechen einander nicht. Sie sind das Ergebnis davon, denselben Sachverhalt aus unterschiedlicher Höhe zu betrachten. Was die KI abträgt, ist nicht der Beruf als Ganzes.
Es ist der Anteil der Einsteigerstellen, über die man in diesen Beruf hineinkommt. Das heißt, statt die Gesamtmenge der Angst zu messen, muss man betrachten, welches Berufsjahr in welcher Berufsgruppe tatsächlich dünner wird.
Warum zuerst die erste Stufe. Die Arbeit, die Einsteigern übertragen wurde, ist meist standardisiert. Es geht darum, Dokumente nach einem festgelegten Format zu erstellen, bestehenden Code ähnlich zu erweitern und Ergebnisse in Tabellen zu übertragen. Genau dieser Bereich ist es, den generative Werkzeuge, also Programme, die aus wenigen Zeilen Anweisung einen Entwurf erzeugen, am schnellsten aufgesogen haben.
Umgekehrt kommt die Arbeit der Erfahrenen dem Beurteilen nahe. Sie sortieren aus den erzeugten Entwürfen heraus, was brauchbar ist, zeigen die falschen Stellen auf und verantworten das Ergebnis. Die Erhebung, nach der die Berufsgruppe der Ingenieure weniger verunsichert war, liest sich so, dass diese Schicht dort dick war. Die Arbeit, die das Werkzeug gut kann, und die Arbeit, für die Menschen bezahlt werden, waren getrennt.
Natürlich gibt es Einwände. Der Hinweis lautet, dass einige Jahre später auch die Schicht der Erfahrenen leer wird, wenn sich die Tür für Einsteiger verengt. Da niemand die erste Stufe betreten habe, sei nicht ersichtlich, woher die Leute für die zweite Stufe kommen sollen.
Spricht man über die Angst auf der Ebene ganzer Berufe, fallen auch die Gegenmaßnahmen auf der Ebene ganzer Berufe aus. Die Diagnose „diese Berufsgruppe ist gefährdet" bringt nicht mehr hervor als den Rat, das Studienfach zu wechseln. Lautet die Diagnose dagegen, dass die erste Stufe dünner wird, ändern sich die Maßnahmen ins Konkrete. Wie Aufgaben zu gestalten sind, an denen Einsteiger das Beurteilen üben, und womit sie Erfahrung sammeln sollen, nachdem die standardisierte Arbeit weggefallen ist, kommt als Frage der Praxis herunter.
Die heutigen Werkzeuge liefern schnell einen Entwurf, wissen aber selbst nicht, ob dieser Entwurf falsch ist. Die Prüfung bleibt Sache der Menschen, und wer diese Aufgabe übernehmen konnte, war jemand, der beim Durchlaufen standardisierter Arbeit ein Gespür entwickelt hatte. Eine Ausbildungsform, die diesen Weg ersetzt, ist in keiner Organisation fertig.
Der Rat, den verunsicherte Jobsuchende brauchen, dürfte nicht lauten, die Berufsgruppe aufzugeben. Beim Lesen einer Stellenanzeige ist es besser zu unterscheiden, ob die Arbeit darin besteht, Entwürfe zu erstellen, oder darin, Entwürfe auszusortieren. Bei einer Stelle, die an die zweite Art von Arbeit heranreicht, lohnt sich der Einstieg auch dann, wenn die Tür eng ist.
