
Mehr als 10.000 Plastikbricks wurden aufgeschichtet und errichteten das letzte Fest einer Epoche neu. Die Sonderausstellung »Brick Jinyeon: Ein koreanisches Hoffest, aus Lego gebaut«, die das Museum für koreanische Musik des Nationalen Gugak-Zentrums zeigt, ist als Ausstellung angelegt, die nicht an einem Ort bleibt, sondern weiterzieht. Gewählt wurde eine modulare Bauweise, die sich leicht zerlegen und transportieren lässt; für das Museum ist es das erste Projekt, das eigens auf eine Tournee zugeschnitten ist. Der Eintritt ist frei.
Die Zeit, die die Ausstellung festhält, ist das Jahr 1902. Das »Imin Jinyeon«, das zugleich den Eintritt Kaiser Gojongs in den Giroso und sein 40-jähriges Thronjubiläum beging, war das letzte Bankett, das das Kaiserhaus von Korea offiziell ausrichtete. Die Musik und die Tänze jenes Jahres gingen in Bilder und Schriftstücke ein und schliefen dort lange. Die auf dem Papier fixierten Formationen wieder körperlich aufzurichten, ist der Ausgangspunkt dieser Ausstellung.
Der Rundgang teilt sich in drei Räume. Im ersten Raum, »Tanzendes Lego«, hat der Lego-Künstler Colin Jin mehr als 10.000 Bricks verwendet, um die Formationen und Gewänder von fünf traditionellen Hoftänzen in Dioramen zu übertragen. Die glatte, harte Plastikoberfläche tritt an die Stelle der Seidenlagen und des fließenden Ärmelsaums. Ein fingernagelgroßes Teil wird zur Schulter einer Tänzerin, und diese Schultern ergeben zusammen die Geometrie der Formation.
Der zweite Raum, »Neu aufgeschichtete Tradition«, verlangt nach den Händen der Besucher. Dort steht ein Fliesenobjekt in Brick-Form der Medienkunstgruppe Everyware, das nicht fertig gebaut wartet. Erst wenn die Besucher die Fliesen eine nach der anderen einsetzen und verbinden, tritt die Form hervor. Die zugrunde liegende Vorlage ist das Irwolobongdo, das hinter dem Rücken des Herrschers stand.
Der Wandschirm im Rücken des Königs, den niemand berühren durfte, wird hier zu einem Gegenstand, der ohne das Einsetzen durch die Besucher unvollendet bleibt. Es ist die Entscheidung, ein Symbol der Autorität als Spielmaterial abzulegen. Dieser Übergang verläuft nicht nur glatt. Ob man die Empfindung, die nach der Rücknahme der zeremoniellen Strenge bleibt, als Vertrautheit oder als Beiläufigkeit sieht, kann jeder Besucher anders beantworten.

Der dritte Raum, »Der flüchtige Augenblick, die ewige Aufzeichnung«, beschließt den Rundgang mit dem Hofgemälde »Imin Jinyeondo-byeong«. Die Formation, die man aus Bricks in der Hand hatte, kehrt hier in die Fläche des Bildes zurück. Weil Nachbau und Original hintereinander gesetzt sind, gehen die Besucher die Form, die sie mit den Händen gelernt haben, auf den Pinselstrichen noch einmal nach. Der Weg ist so angelegt, dass man erst mit den Händen spielt und dann der Aufzeichnung begegnet.
Die Weitergabe immateriellen Erbes steht immer in dieser Spannung. Um die ursprüngliche Gestalt nicht zu beschädigen, muss man sie hinter Glas stellen, und um sie an die nächste Generation weiterzureichen, muss man sie in die Hand geben. Das Material Brick ist ein Vorschlag, der zwischen beidem hindurchgeht. Weil es kein Original ist, darf man es nach Belieben anfassen, und weil es kein Original ist, trägt es zugleich die Gefahr, mit der ursprünglichen Gestalt verwechselt zu werden.
Vom Tourneeplan stehen zwei Stationen fest. Die Ausstellung in der Nationalbibliothek Sejong läuft bis zum 31. Mai, im Abgeordnetengebäude der Nationalversammlung ist sie vom 17. bis 19. Juni drei Tage lang zu sehen. Die nächste Station danach ist noch nicht festgelegt.
Das Geräusch, mit dem die Bricks im Ausstellungsraum ineinandergreifen, ist sehr leise. Dieses klickende Reibegeräusch kann sich unmöglich mit den Trommelschlägen von 1902 überlagern. Dennoch hält die Empfindung in den Fingerspitzen länger an als ein Bild, das man nur mit den Augen gesehen hat. Ob in Sejong oder in Yeouido, es sei empfohlen, eine Fliese selbst einzusetzen.
