
Das Sonnenlicht liegt nur dünn auf der Oberseite der Blätter. Die hellblaue Klinge der Gartenschere hat den dünnen Zweig gerade berührt, und der rechte Zeigefinger hat die Stelle markiert, die abgeschnitten werden soll. Unter dem Ärmel des rosa Hemds treten die Sehnen des Handrückens hervor, das Grün im Hintergrund hat seine Form verloren und verläuft. Es ist das trockene Licht des frühen Nachmittags.
Beim Betrachten des Fotos senken sich die Schultern ein wenig. Der Atem stockt kurz an der Stelle, wo die Klinge sitzt, und löst sich dann wieder. Der Blick rutscht in den unscharfen Hintergrund ab und sammelt sich wieder auf einer einzelnen Blattader.
Pflege ist, bevor sie ein Abschneiden ist, ein Hinsehen. Wer auswählen will, welchen Zweig er stehen lässt, muss wenigstens für einen Moment innehalten, und dieses Innehalten ähnelt dem Augenblick, in dem das Herz aufhört zu drängen.
Wählen wir aus einem Blumentopf in der Nähe oder dem Grün am Fenster ein Blatt aus, legen es auf die Handfläche und wischen es mit einem feuchten Tuch langsam von beiden Seiten ab. Wie wäre es, mit den Augen zu verfolgen, wie die Farbe kräftiger wird, während der Staub verschwindet?
Auch an einem Abend, an dem man darauf wartet, dass das Wasser im Kessel kocht, gibt es Raum für dieselbe Handbewegung. Wenn man mit dem Blatt in der Hand zu der Seite hin steht, von der das Geräusch des Wassers aufsteigt, fällt es leichter zu bemerken, ob der Blick noch an der Blattader hängt oder schon zur dampfenden Tülle gewandert ist. Es genügt schon, nur nachzusehen, woran der Blick hängen bleibt. Es reicht, zu beobachten, in welche Richtung sich die Augen zuerst bewegen, wenn das Kochgeräusch lauter wird, diese kurze Bewegung.
Das abgewischte Blatt wird auch im Abendlicht still grün sein.
