
Die untere Hälfte des Bildes besteht ganz aus Bäumen. Das Licht eines Sommermittags wirft die Kronen weiß zurück, darunter sinkt der Schatten tief ein, und das Grün schichtet sich in mehreren Lagen. Ein paar Dächer und ein Haus aus rotem Backstein schimmern kaum zwischen den Blättern hindurch, Straßen und Menschen sind nicht zu sehen.
Die Stadt steht weit hinten nur als schmales Band. Eine Kuppel und einige Glasbauten strecken den Kopf über die Baumlinie, darüber ist ein Himmel ohne eine einzige Wolke. Es ist deutlich, was die Person, die das Foto gemacht hat, zur Hauptsache gemacht hat. Nicht die Gebäude, sondern das Grün, das die Gebäude trägt.
Die Bäume der Stadt schaffen Schatten, kühlen die Hitze und halten das Regenwasser fest. Die Wurzeln greifen in die Erde, die Blätter holen den Kohlenstoff aus der Luft nach und nach in ihren Körper. All das geschieht ohne jedes Geräusch, täglich, in jenen geschichteten Blättern.
Ein solches Bild entsteht nicht von allein. Jemand hat dort gepflanzt, hat sich entschieden, nicht zu fällen, und hat Zeit zum Wachsen gegeben. Bis ein heute gepflanzter Baum jene Dichte im Foto erreicht, vergehen mehrere Jahrzehnte.
Links unten, wo der Blattschatten am dichtesten geworden ist, steht ein Fahrrad. Der Sattel ist leer, und die Pedale drehen sich nicht. Es sieht aus wie die Spur davon, dass jemand vor der Mittagshitze kurz in den Schatten gegangen ist und die Räder angehalten hat. Während die Glasbauten in der Ferne das Licht zurückwerfen, waren es jene paar Lagen Grün, in denen der Tag eines Menschen zur Ruhe kommt.
Sieht man das Foto noch einmal an, umfängt der Wald die Stadt und nicht die Stadt den Wald. Welcher Seite kommt der Blick aus dem Fenster in unserem Viertel näher?
