
Unter einem bewölkten Himmel stehen drei graue Schornsteine in gleichmäßigem Abstand. Auf der Oberfläche sind die Baufugen als waagerechte Linien zurückgeblieben, und auch das Geländer an der Spitze sowie die Leiter sind deutlich zu erkennen. Nicht ein einziger Rauchfaden steigt auf. Die Bäume darunter tragen volles Laub, sodass die Jahreszeit nicht nach Winter aussieht, doch das Licht ist durchweg flach, ohne dass sich sagen ließe, woher es kommt.
Am stärksten liest sich auf dem Foto der leere Raum über den Schornsteinen. Ein Schornstein ist ein Bauwerk, das für den Ausstoß errichtet wird, und dass kein Ausstoß stattfindet, bedeutet, dass die Anlage an jenem Tag zu jener Stunde nicht lief. Es kann eine Wartung sein, eine Zeit ohne Nachfrage oder eine Phase, in der der Brennstoffpreis nicht passt. In jedem Fall steht der Schornstein da, und das Geld, das in diese Höhe geflossen ist, wurde längst ausgegeben.
Die Buchhaltung des industriellen Wandels wird an dieser Stelle schwierig. Wenn die physische und die wirtschaftliche Lebensdauer einer Anlage auseinanderfallen, treten die Abrisskosten, die Nutzung des Geländes und die dort gebundenen Arbeitsplätze als Aufgaben hervor. Sätze über den Wandel stehen meist im Futur, doch der Beton bleibt im Präsens dort stehen.
Links innerhalb der Umzäunung steht ein Lastwagen mit der Schnauze zu den Schornsteinen hin. Vor den Rädern liegen Unterlegkeile, die Ladefläche ist leer. Es ist die Haltung, jederzeit loszufahren, sobald es etwas zu transportieren gibt, doch ob dieses Warten einen Tag oder ein halbes Jahr dauert, lässt sich am Fahrzeug allein nicht ablesen. Die Hände auf dem Gerüst und der abgestellte Wagen hinter der Umzäunung folgen auf demselben Gelände verschiedenen Zeitplänen.
Am Gebäude rechts unten fällt ein Gerüst ins Auge. Jemand baut oder reißt auf diesem Gelände noch immer etwas. Das ist das Einzige, was sich auf dem Foto bewegt, beim Rest ist wie bei den Wolken am Himmel nur schemenhaft zu sehen, wohin er ziehen wird.
