
Am linken und am rechten Bildrand versperrt je ein dicker Stamm senkrecht die Sicht. Durch die offene Lücke dazwischen treten gut fünfzehn dünne Bäume nach hinten zurück. Im oberen Drittel, dort wo sich die Äste teilen, bricht ein weißer Punkt auf, und das daraus hervorgehende Lichtbündel fällt schräg bis zum unteren Bildrand herab. Es ist ein Wald gegen acht Uhr morgens.
Der Lichtstrahl ist sichtbar, weil die Luft nicht leer ist. Die Feuchtigkeit, die über Nacht aus Boden und Blättern aufgestiegen ist, liegt dünn zwischen den Bäumen, und jedes einzelne dieser Teilchen wirft das Licht zurück und lässt es wie ein dickes Bündel erscheinen. Der Morgen im Wald ist die Zeit, in der der Wald dem menschlichen Auge für einen Moment seinen Atem zeigt.
Die hellgrünen Blätter drängen sich links unten und in der Mitte im Hintergrund. Wir wissen, was diese Blätter den ganzen Tag über tun. Sie holen den Kohlenstoff aus der Luft und wandeln ihn in ihren eigenen Körper um, und dieser Körper wird zu Stamm, zu Rinde, zu Falllaub und sammelt sich in der Erde unter den Füßen.
Wenn das Wort Klimaneutralität fern klingt, genügt es, an jene gut fünfzehn Bäume unter dem Lichtbündel zu denken. Allein dadurch, dass man sie nicht fällt und stehen lässt, geht diese Arbeit auch heute weiter.
Sehen wir noch einmal auf den dicken Stamm rechts. Auf der rauen Rinde breiten sich graue Flecken aus wie eine Landkarte. Es sind Flechten.
Da es Lebewesen sind, die bei schlechter Luft am schnellsten verschwinden, wird dieses Muster zum Zeichen dafür, dass die Luft, die dieser Wald einatmet, sauber ist. Die Sonne wird auch morgen auf derselben Seite aufgehen, doch jene Flecken auf der Rinde verschwinden, je nachdem, was der Mensch tut.
Sehen Sie noch einmal auf die Feuchtigkeit und das graue Muster, die dieses Licht sichtbar gemacht haben, und nicht auf den Lichtstrahl.
