
Das Wasser windet sich wie ein Hufeisen um die Mitte des Bildes. Die Wasseroberfläche liegt in dunklem Blaugrün, kein Stück Wolke spiegelt sich darin. Weil die Aufnahme mittags von oben entstand, gibt es kaum Schatten, und nur die Umrisse des Wasserlaufs bleiben deutlich.
Die Biegung umschließt zwei grüne Flächen. Die linke liegt langgestreckt, die rechte wölbt sich rund und nimmt die Mitte des Wassers ein.
Wäre es ein gerade ausgehobener Kanal, hätte das Regenwasser dieses Bild in kurzer Zeit durchquert. Der gekrümmte Wasserlauf hält die Strömung fest, und das langsamer gewordene Wasser legt Sand und Blätter auf dem Grund ab. Darin liegt auch der Grund, warum das gelb ausgebreitete Schilf das Ufer dicht umgeben konnte.
Dass ein Feuchtgebiet Wasser speichert und Kohlenstoff bindet, beginnt bei solchen Biegungen. Bauarbeiten zur Begradigung sind an einem Tag erledigt, aber eine einmal verschwundene Biegung braucht mehrere Jahreszeiten, bis sie wieder entsteht.
Noch einmal ein Blick in die linke untere Ecke. Ein Feldweg kommt von außerhalb des Bildes herein, durchschneidet die Wiese schräg und bricht ab, bevor er das Wasser erreicht. Am Ende des Weges hängt ein Stück rotes Dach knapp am Rand.
Es ist die Spur einer Menschenhand, die bis hierher kam und dann innehielt. Weil sie innehielt, ist diese Biegung geblieben.
An der schmalen Stelle, wo die beiden grünen Flächen aneinanderstoßen, dort wo das Wasser am dünnsten wird, öffnet sich die nächste Biegung. Beim zweiten Blick auf das Foto wird greifbar, wo das Wasser sich verengt und wo es sich breit ausdehnt. Auch den Bach in der Nähe des eigenen Hauses kann man mit demselben Blick ansehen. Der Satz, den Beton zu entfernen, klingt dann nicht mehr so weit hergeholt.
