
Drei Bahnleinen durchschneiden die Wasseroberfläche schräg und laufen aus dem Bild hinaus. Die Leinen, auf denen abwechselnd weiße, blaue und rote Schwimmkörper aufgereiht sind, schwanken mit dem Wasser ein wenig. Das Wasser schimmert fast blaugrün, und das Rastermuster der Bodenfliesen wird gebrochen, zerfällt in kleine Teile und flimmert.
Die Deckenbeleuchtung fällt wie eine langgezogene Säule herab und hat auf der Wasseroberfläche ein weißes Band hinterlassen. Es schwimmt kein einziger Mensch.
Wer lange auf solches Wasser schaut, reagiert zuerst in den Schultern. Ein Körper, der im Morgengrauen geschwommen ist, erinnert sich an die Kühle kurz vor dem Eintauchen. Das Gefühl der Fußsohlen auf den nassen Fliesen kommt zusammen mit dem Einatmen hoch, das von selbst kürzer wurde, als das Wasser bis zur Magengrube reichte. Unter der Oberfläche drückt das Wasser leicht auf die Brust, und wegen dieses Drucks geht der Atem flacher als sonst.
Was einen im Wasser aus der Fassung bringt, ist meist weniger das Gefühl, dass die Luft knapp wird, als die Hast, den Atem schnell zurückzuholen.
Deshalb darf man auch jetzt im Sitzen die Handfläche unter die Rippen legen. Das Einatmen erfolgt kurz durch die Nase. Das Ausatmen lässt man dünn und lang entweichen, wie Luftblasen im Wasser, so langsam, dass fast kein Geräusch entsteht.
Nach etwa drei Malen lässt sich das langsame Heben und Senken unter der Handfläche erfassen. Es dauert keine drei Minuten, also lohnt es sich, das zu versuchen, ohne den Bildschirm zu schließen, auf dem man gerade liest.
Dasselbe Ausatmen lässt sich auf den Abwasch am Abend übertragen. Während das Wasser über das Geschirr läuft, dehnt man das Ausatmen auf die Zeit aus, die das Abspülen eines Tellers dauert, und achtet dabei auf die Spannung im Kiefer. Es genügt zu prüfen, ob die Backenzähne aufeinanderliegen und ob die Zunge gegen den Gaumen drückt. Auch wenn sich nichts geändert hat, reicht es, dass man nachgesehen hat.
Die Leinen der leeren Bahn schwanken den ganzen Tag ein wenig, auch zu Zeiten, in denen niemand vorbeikommt.
