
Das Seoul Museum of Craft Art (서울공예박물관) hat im Mai die Sonderausstellung 'The Hybrid' zum Kunsthandwerk der Zeit des Koreanischen Kaiserreichs eröffnet. Es ist eine Ausstellung, die den Fingerspitzen der Handwerker jener Zeit folgt, der Zeit der Hafenöffnung, als Gat (갓) und Filzhut auf derselben Straße aneinander vorbeistreiften. Sie findet im Zentrum von Jongno in Seoul statt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Dinge, die man sich auf den Kopf setzte. Der Gat, Strang für Strang aus Rosshaar geflochten, ist schwarz und locker, sodass das Licht wie durch ein Netz hindurchgeht, und der mit Bambus gefasste Rand gibt einen trockenen Ton, wenn man ihn mit dem Fingernagel anschnippt. Der Filzhut daneben ist eine dicke Fläche aus gepresster Schafwolle, und wenn man den Finger darauflegt, gibt sie lautlos nach und kehrt langsam zurück.
Die beiden Gegenstände stoßen einander nicht ab. Die Werkstätten der Zeit der Hafenöffnung schluckten fremde Materialien eher auf ihre eigene Weise, als sie abzuweisen, und legten auf vertraute Techniken einen fremden Griff. In der kurzen Zeit nach der Ausrufung des Koreanischen Kaiserreichs 1897 hielt das Kunsthandwerk so vermischt durch.
Der Titel 'The Hybrid' kommt einer Erklärung gleich, diese Zeit nicht als Zusammenstoß zusammenfassen zu wollen. Statt die Spuren zu zählen, an denen die Tradition verschwand, schaut die Ausstellung darauf, mit welchem Gesicht die Tradition sich umkleidete und überlebte. Was überlebte, war meist nicht rein bewahrt worden.

Hier zeigt sich eine alte Spannung. Soll man Handgemachtes hinter Glas versiegeln und seine ursprüngliche Form bewahren, oder soll man es für den heutigen Gebrauch wieder herausholen und abnutzen lassen? Die Handwerker der Zeit der Hafenöffnung wählten das Zweite, und dank dieser Wahl riss die Technik nicht ab. Auch das heutige Kunsthandwerk steht an derselben Weggabelung.
Das Museum ist ein umgebautes altes Schulgebäude. Das Gebäude selbst ist ein Beispiel dafür, Bewahrung und Nutzung in einem Körper zu vereinen, und liest sich zusammen mit dem Thema der Ausstellung. Die genauen Öffnungszeiten und den Ablauf des Besuchs prüft man besser in den Hinweisen des Museums, bevor man aufbricht.
Einen einzelnen Hut lange zu betrachten vergeht langsamer, als man denkt. Wenn man zusieht, wie das zwischen den Rosshaaren hindurchtretende Licht ein lockeres Muster auf den Boden legt, fällt einem ein, dass vor gut hundert Jahren eine Hand diese Abstände festgelegt hat. Wer in Jongno zu tun hat, dem sei empfohlen, etwa eine Stunde freizuhalten.
Veranstaltungsinformationen
Termin: Eröffnung im Mai 2026
Ort: Seoul Museum of Craft Art (Jongno, Seoul)
