
Der Himmel ist grauweiß und flach, und das Schneefeld dehnt sich in derselben Helligkeit aus. In dem schmalen Streifen dazwischen stehen zwei Bäume ohne ein einziges Blatt und haben sich bis in die Zweigspitzen in den Himmel eingeschrieben. Am linken Bildrand verläuft eine Stromleitung schräg hinaus, und über dem Schnee ragt trockenes Gras mit einem rötlichen Schimmer struppig hervor.
Da die Blätter fehlen, ist die Struktur des Baumes unmittelbar zu sehen. Die Form, in der sich die vom dicken Stamm abzweigenden Äste immer wieder erneut teilen und endlos dünner werden, ist eine über Jahrzehnte berechnete Gestalt, um noch ein Körnchen mehr Licht aufzunehmen. Den ganzen Sommer über haben die an diesen Zweigspitzen hängenden Blätter den Kohlenstoff aus der Luft gebunden und in Stamm und Wurzeln gepresst, und was so gespeichert wurde, steht jetzt als schwarze Linie über dem Schnee.
Auch unter den Füßen ist es nicht leer. Der Schnee hält die Wärme des Bodens fest wie eine Decke, und in der Erde zersetzen Wurzeln und Mikroorganismen langsam das Falllaub und bilden die Nährstoffe der nächsten Jahreszeit. Das winterliche Feld ist still nicht deshalb, weil nichts geschieht, sondern weil die Arbeit an einem Ort stattfindet, der nicht zu sehen ist.
Eine solche Landschaft erhält sich nicht von selbst. Die Zeit, die ein alter Baum angesammelt hat, endet mit einem einzigen Sägeschnitt, aber um dieselbe Stärke wieder hervorzubringen, braucht es Jahrzehnte. Die Entscheidung, den alten Baum im Viertel stehen zu lassen, und die Entscheidung, auf einer freien Fläche einen jungen Baum zu pflanzen, geben dieses winterliche Bild an die nächste Generation weiter.
Der Schnee Ende März hält nicht lange. Bald werden an jeder dieser Zweigspitzen hirsekorngroße Knospen anschwellen, und über das grauweiße Bild wird sich ein Hellgrün ausbreiten. Sehen wir uns das Foto noch einmal an. Es wird sichtbar, dass jene Zweige nicht leer sind, sondern die nächste Jahreszeit bereits festhalten.
