
Ein Flur, in dem Gittertüren aneinandergereiht stehen. Hinter den Türen ziehen sich rote Anzeigelampen wie eine dünne Linie senkrecht nach unten, daneben verheddern sich rote und blaue Kabel. Das Ende des Flurs verschwimmt in weißem Licht, nur die Griffe wiederholen sich auf gleicher Höhe. Nirgends ist der Schatten eines Menschen zu sehen.
Nachts wirkt ein Rechenzentrum ruhig, doch es kann die geschäftigste Zeit sein. Die tagsüber aufgelaufenen Anfragen werden abgearbeitet, Modelle werden trainiert, Backups laufen. Während wir schlafen, läuft hinter diesen Stahltüren die Rechenarbeit, die einen einzelnen Satz hervorbringt.
Der Preis dafür sind Wärme und Strom. Das dichte Gitter ist keine Zierde, sondern ein Luftweg, und die Temperatur dieses Flurs zu senken ist zugleich der Kostenpunkt dieser Branche. Wenn von KI die Rede ist, sieht man nur Bildschirme und Antworten, das eigentliche Gewicht liegt in der Klimatechnik und den Stromverträgen solcher Räume.
Ob Mobilität oder Klimatechnologie, die heutige Innovation läuft am Ende so, dass sie irgendwo einen Platz in einem Rack mietet. Ob einige dieser Flure hinzukommen oder ob im selben Flur mit weniger Strom mehr gerechnet wird, ist die Frage der nächsten Jahre.
Der Schatten auf dem Boden zieht sich schräg vom Türrahmen weg und neigt sich nur zu einer Wand hin. Das heißt, die Beleuchtung sitzt nicht in der Mitte der Decke, sondern gebündelt irgendwo am Ende des Flurs. Auch in einem Gang ohne Menschen fällt das Licht weiter auf eine Stelle, und wegen dieses Winkels hängt an jedem Griff ein kurzer schwarzer Streifen. Wärme entstand nicht nur hinter den Stahltüren.
Sieht man das Foto noch einmal an, leuchtet nur die dünne rote Linie. Wie weit diese Linie reicht, verrät das Ende des Flurs nicht.
