
Die Sonne steht noch tief. Licht, das an einer Stelle zwischen den Bäumen hervorbricht, fällt schräg durch das Netz der Äste, und diese Bahn bleibt im dünnen Nebel hängen und wird zu einer sichtbaren Säule. Die beiden dicken Stämme im Vordergrund stehen dunkel da, dahinter treten dünne Bäume Schicht um Schicht zurück und verschwinden im hellblauen Nebel.
Die Lichtsäule ist zu sehen, weil Wassertröpfchen in der Luft schweben. Feuchtigkeit, die über Nacht aus dem abgekühlten Boden und den Blättern aufgestiegen ist, die noch nicht erwärmte kalte Luft des Tals. Der Wald macht sein Klima selbst. Die Bäume ziehen Wasser nach oben und geben es über die Blätter ab, dieser Wasserdampf wird zu Nebel, und der Nebel durchfeuchtet wieder den Boden.
Zur selben Zeit beginnen die Blätter noch eine andere Arbeit. Vom Moment an, in dem das Licht sie erreicht, binden sie den Kohlenstoff aus der Luft und wandeln ihn in ihren Körper um. Jedes einzelne hellgrüne junge Blatt auf dem Foto ist ein Ort dieser Arbeit. Außerhalb der Berechnungen und Anlagen, die wir im Namen der Klimaneutralität aufbauen, verrichtet der Wald diese Arbeit seit Langem, ohne etwas dafür in Rechnung zu stellen.
Deshalb ist der Schutz des Waldes keine Schwärmerei, sondern eine Entscheidung, bei der die Rechnung aufgeht. Gefällte Stellen wieder auffüllen, Holz nutzen und wieder nutzen, statt es zu verbrennen, auf den verbliebenen Flächen der Stadt mehr Schatten schaffen. Was heute möglich ist, ist klein, aber die Richtung ist klar.
Sehen wir uns das Foto noch einmal an. Die Lichtsäule sieht aus wie ein Durchgang, ist aber Luft. Dieselbe Luft, die wir gerade atmen, von diesem Wald über Nacht gemacht und am Morgen herausgegeben.
