
Der Schatten des Ziegeldachvorsprungs zerschneidet die Wand in ihrem oberen Teil waagerecht. Darunter steht eine Bretttür, daneben schließt sich ein Fenster an, das die Sonne des späten Nachmittags von vorn empfängt. Das Holz trägt jenen roten Ton, der erst nach langem Trocknen erscheint, und das Fensterpapier lässt das Licht nach innen strömen und wölbt sich weiß.
Die Erde des Hofes liegt ohne einen einzigen Fußabdruck eben da. Der Trittstein ist hell, als wäre er neu gesetzt, und niemand steigt darüber hinauf oder hinab. Alle Türen sind geschlossen, doch das wirkt weniger verschlossen als wartend.
Alte Türen haben zwei Gesichter. Das eine bewahrt das Innere, das andere empfängt die, die von außen kommen. In einer Nagelspur, im dunkelblauen Ton der Scharniere, im Gitter aus Licht, das die Fenstersprossen teilen, sind so viele Handspuren geblieben, wie sie geöffnet und geschlossen wurden.
So ist Bewahrung. Anders als das Ausstopfen in einen ungenutzten Zustand geht es darum, etwas in einem Zustand zu lassen, in dem es sich jederzeit wieder öffnen lässt. Die Hände, die das Holz richten, damit sich der Türrahmen nicht verzieht, und das Fensterpapier neu aufziehen, kehren jedes Jahr wieder.
Auf dem Erdboden neben dem Trittstein ist flach die Maserung geblieben, die der Besen im Vorbeigehen gezogen hat. Unter dem Türgriff sieht man auch eine Stelle, an der die Holzmaserung besonders abgerieben und heller geworden ist. Nur dort, wo Hände wiederholt berührt haben, wird es so hell. Der Hof, in dem angeblich keine Spur eines Menschen war, ist in Wahrheit eine Fläche, die bis eben jemand gefegt und geglättet hat, und diese Berührung dürfte die geschlossene Tür vom Verschlossensein ins Warten überführt haben.
Der Winter weicht zurück, und die verbliebene Sonne wärmt den Holzboden. Das Älteste auf dem Foto ist vielleicht die Zahl der Jahreszeiten, die dieses Holz überstanden hat. Wer noch einmal zwischen die Fenstersprossen blickt, erkennt, dass die Dunkelheit dahinter nicht leer ist.
