
Zwischen den Bäumen, die alle Blätter abgeworfen haben, fällt das Winterlicht weiß herab. Quer durch diesen weißen Hintergrund zieht sich eine niedrige Steinmauer lang von links nach rechts, und auf der Mauer liegt dick ein Grün, das nichts mit der Jahreszeit zu tun hat. Es ist die einzige Farbe im Bild, in der noch Sättigung steckt.
Die Mauer hat ihre gerade Gestalt längst verloren. Ihre Oberkante ist stellenweise abgesackt, zwischen den Steinen haben sich Zweige und Ranken hineingedrängt und Wurzeln geschlagen. Trotzdem reißt die Linie nicht ab. Dass jemand die Steine einzeln ausgesucht und aufgeschichtet hat, ist auch nach dem Zerfall der Form noch da.
Eine Steinmauer wird ursprünglich errichtet, um etwas zu trennen. Feld und Feld, Haus und Weg, mein Anteil und der Anteil des anderen. Auch nachdem dieser Zweck verschwunden war, ist die Mauer nicht eingestürzt, sondern zur Geländeform des Waldes geworden. Die Zeit, die es gebraucht hat, bis etwas von Menschenhand Gemachtes in die Natur aufgenommen wurde, zählt stellvertretend die Dicke des Mooses.
Auf dem Boden liegen nasses Laub und abgebrochene Äste wirr verstreut. Das Eingestürzte und das Gebliebene sind im selben Wald, und das Einzige, was beide voneinander scheidet, ist die Frage, ob sich auf der Mauer Grün angesiedelt hat.
Das Licht fällt schräg von links oben ins Bild. Deshalb liegt nur die Südseite der Steinmauer hell da, die Gegenseite versinkt im Schatten und die Umrisse der Steine verschwimmen. Die Stellen mit dickem Moos sind ausnahmslos die, an denen der Schatten lange bleibt, nicht die, über die die Sonne streift. Was das Grün verteilt hat, war nicht, was die Mauer getrennt hat, sondern auf welcher Seite die Sonne vorbeigezogen ist.
Sieht man das Foto noch einmal an, gibt es eine Stelle, an der das rechte Ende der Mauer hinter einem Baum verschwindet. Wie weit die Mauer dahinter noch weiterläuft, lässt sich mit diesem einen Bild nicht sagen.
