
Das Nationalmuseum Korea stellte am 12. eine Entschuldigung auf seine Internetseite. Sie erging im Namen von Direktor Yu Hong-jun. Zuvor war ein Hinweis eingegangen, wonach das in der Sonderausstellung "Unsere Tische" als Werk des Patrioten Park Won-geun (1912-1950) vorgestellte Schriftstück "Ilbansigugeun (一飯是國恩)" von dem japanfreundlichen, volksfeindlichen Akteur Park Jung-yang (1874-1959) stammen könnte. Direktor Yu räumte ein, dass die Prüfverfahren für die Ausstellungsstücke mangelhaft gewesen seien, und kündigte an, die Herkunft von Objekten künftig auf mehreren Wegen abzugleichen.
Der Sinnspruch selbst wiegt schwer. Er bedeutet, dass auch eine Schale Reis eine Wohltat des Landes ist. Er geht auf ein Wort des Mönchs Yeonggyu zurück, der während des Imjin-Krieges eine Mönchsarmee aufstellte und kämpfte. Neben diesen acht Schriftzeichen stand die Signatur "Park Won-geun", und der Hinweis wies darauf hin, dass dieser Name ein weiterer Name Park Jung-yangs sei.
Park Jung-yang war während der japanischen Kolonialzeit Gouverneur der Provinz Hwanghae und der Provinz Chungbuk und stieg zum vom Kaiser ernannten Mitglied des Herrenhauses des japanischen Reichstags auf. 1919 beteiligte er sich an der Niederschlagung der Bewegung vom 1. März. Die "Enzyklopädie der koreanischen Volkskultur" hält unter Berufung auf das "Verzeichnis verdienter Personen Koreas" von 1935 fest, dass er in den 25 Jahren der Kolonialherrschaft zu den Personen mit den größten Verdiensten gezählt wurde. Der aus Boeun in Chungbuk stammende Park Won-geun wurde 2009 posthum als Verdienter der Unabhängigkeitsbewegung geehrt.
Fotos zeigten, wie Park Yong-hyun, der Sohn des Patrioten Park Won-geun, vor dem Werk im Ausstellungsraum niederkniete und schluchzte. Es gibt auch die Angabe, dass Angehörige dabei waren.
Für dieses Schriftstück gibt es einen Eintrag, wonach es 2019 bei einer Kunstauktion als Schriftstück des Patrioten Park Won-geun eingeliefert wurde. Das Museum stützte sich auf diese Auktionsherkunft und wählte es als Ausstellungsstück aus. Es wird bemängelt, dass es die bestehende Zuschreibung ohne eigenen Abgleich übernommen habe. Zum Zuschlag bei der damaligen Auktion und zum jetzigen Besitzweg äußerte sich das Museum nicht.
Das Museum nahm das Objekt ab und ließ es von Fachleuten begutachten. Wer es letztlich schrieb, klärt sich erst mit dem Ergebnis der Begutachtung.
Ändert sich ein Namensschild, ändert sich die Bedeutung des Objekts. Der Satz "Auch eine Schale Reis ist eine Wohltat des Landes" bedeutet das Gegenteil, je nachdem, ob ihn ein Unabhängigkeitskämpfer schrieb oder eine als verdient um die Kolonialherrschaft verzeichnete Person. In einem Museum, das das Land vertritt, stimmte diese Angabe nicht.
Zwischen Sammeln und Zeigen besteht immer eine Spannung. Wird nur bewahrt, schlummern die Objekte im Depot, wird eilig gehängt, rückt die Prüfung nach hinten. Ein Konzept, das zum 80. Jahrestag der Befreiung mit dem vertrauten Thema des Esstisches einen Sinnspruch über die Wohltat des Landes zeigt, dürfte für die Ausstellungsmacher schwer auszuschlagen gewesen sein. Am Ende war der Sinn für die Themenwahl schneller als die Prüfung der Objektherkunft.
Direktor Yu entschuldigte sich am 13. zu Beginn eines Sondervortrags in der großen Aula des Museums mündlich bei der Bevölkerung. Thema des Vortrags waren Leben und Kunst von Chusa Kim Jeong-hui.
Der Zeitpunkt des Hinweises und der Zeitpunkt der Abnahme des Objekts lassen sich auf den 10. bis 12. August eingrenzen, sind aber nicht tagesgenau geklärt. Es kursieren nebeneinander die Angabe, der Hinweisgeber sei eine Person außerhalb des Museums, und die Angabe, er stamme aus der koreanischen Kalligrafieszene. Klar ist, dass dieser Hinweis nicht aus dem Museum selbst kam.
Die Sonderausstellung "Unsere Tische" soll bis zum 25. Oktober laufen. Die Wand, an der das Schriftstück hing, ist mit einem Tuch bedeckt. Bis das Ergebnis der Begutachtung vorliegt, bleibt die Wand bedeckt.
