
Ein weißer Roboterarm neigt sich hinter einer Glaswand nach unten. Jedes Gelenk ist von einer glatten Lackschicht überzogen, ein spiralförmiges Kabel läuft am Unterarm herab und führt zu einem schwarzen Kameragehäuse, das am Ende hängt. Auf dem Glas dahinter verschwimmen das rote Licht der Straße und die Nachbilder vorbeifahrender Autos, was darauf hinweist, dass draußen Abend ist.
Dieser Arm kommt aus einer Fabrik. Die Form des Geräts, das dieselbe Bahn tausendfach am Tag wiederholte und dabei schweißte und montierte, ist unverändert geblieben. Die in die Bodenplatte eingelassenen Ankerbolzen und die schmale Stütze, die den Arm trägt, sind noch immer ein Körper, der Vibration und Trägheit standhalten soll. Verändert hat sich nur der Gegenstand in der Hand.
In dem Moment, in dem statt eines Greifers eine Linse angebracht wird, geht die Arbeit des Roboters vom Bewegen von Gegenständen zum Auswählen von Szenen über. Das ist der Punkt, an dem sich der Nutzen der Präzision ändert. Die Wiederholgenauigkeit, die ein Mensch nicht nachahmen kann, bestimmt nun anstelle der Position eines Bauteils den Winkel des Bildausschnitts.
Neben der Bodenplatte hängt ein mit grauem Klebeband doppelt umwickeltes Kabelbündel zur Wand hin herab. An einer Stelle unter dem Gelenk, wo der Lack etwa handbreit abgeplatzt ist, sind schwach schwarze Filzstiftzeichen erhalten geblieben, die eine in der Fabrik vergebene Verwaltungsnummer vermuten lassen. Die Halterung, die das Kameragehäuse am Armende festklemmt, ist mit unterschiedlich angezogenen Schraubenköpfen befestigt, woran sich statt eines Normteils die Hand von jemandem zeigt, der vor Ort angepasst hat. Auch bei einem Körper, der mit seiner Wiederholgenauigkeit wirbt, hat die Seite, die festlegte, wofür diese Genauigkeit genutzt wird, das Klebeband gewickelt und die Schrauben angezogen.
Wenn die Automatisierung die Fertigungslinie verlässt, werden die Gewohnheiten der Maschine noch vor der Maschine mitgenommen. Worauf dieser zur Straße hinter dem Glas geneigte Arm als Nächstes zielt, bestimmt das, was man an sein Ende einsetzt. Es lohnt sich, dem Kabel auf dem Foto noch einmal nachzugehen, wo es beginnt und wohin es führt.
