
Auf einem hellen Holztisch liegen vier Hände übereinander. Das Licht des Nachmittags breitet sich entlang der Maserung aus, Altersflecken, Sehnen und Knöchel liegen offen zutage. Der Ärmel eines grauen Hemds und der Ärmel eines Strickpullovers kommen von beiden Seiten herein und treffen sich in der Mitte.
Welche Seite die Hand hält, ist nicht auf eine festgelegt. Es gibt eine Hand, die obenauf liegt, und eine Hand, die von unten stützt, und auf dem Foto wechseln die beiden einander ab. Das heißt auch, dass die Person, die pflegt, und die Person, die gepflegt wird, nicht auf eine Person festgelegt sind.
Fürsorge geschieht meist in dieser Haltung. Ein Tisch, der weder Krankenhaus noch Einrichtung ist, ein Nachmittag, der keine besondere Zeit ist, ein paar Minuten, die nicht festgehalten werden. Diese paar Minuten summieren sich, und der Tag eines Menschen bricht nicht zusammen, sondern hält stand.
An dieser Arbeit haftet kaum ein Namensschild. Sie setzt sich im Haus fort, ohne Arbeitszeit und ohne Pause, und wer sie leistet, zählt gar nicht erst, was er da tut. Häufig ist auch die pflegende Hand selbst eine Hand, die Pflege bräuchte.
Weiter unten am Tisch, im Schatten, wohin das Licht nicht reicht, liegt eine andere Hand auf einem Knie. Sie ist halb aus dem Bild geschoben, nur das Ärmelende ist gerade noch zu sehen. Dort dürfte jemand gesessen haben, der den vier übereinanderliegenden Händen gegenübersaß, und auch eine Hand, die nichts hält und wartet, gehört zu diesem Nachmittag. In Szenen, in denen Fürsorge geteilt wird, gibt es immer einen solchen Rand, der aus der Rechnung fällt.
Ich sehe das Foto noch einmal an. Wer wen hält, ist nicht auf Anhieb zu unterscheiden. Genau diese schwer erkennbare Stelle ist die Mitte dessen, was wir heute Fürsorge nennen.
