
Im französischen Paris ist eine Sonderausstellung zum Seokguram in Gyeongju eröffnet worden. Es handelt sich um ein Austauschprojekt zum Kulturerbe, das aus Anlass des 140. Jahrestags der diplomatischen Beziehungen zwischen Korea und Frankreich zustande kam. Die Ausstellung richteten die Stadt Gyeongju und die Korea Heritage Service (국가유산청) gemeinsam aus. Wie sich die Aufgaben der beiden Einrichtungen voneinander abgrenzen, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben allein nicht erkennen.
Das Musée national des arts asiatiques Guimet zeigte gemeinsam mit dem Gyeongju National Museum die Sonderausstellung 'Silla, Gold und das Heilige' zum Thema Silla. Die Ausstellung begann im Mai und schloss im August. Sie wurde als erste Sonderausstellung in Europa vorgestellt, die Silla als alleiniges Thema hat.
Die frühere Ausstellung behandelte goldene Fundstücke, die jetzige behandelt den Seokguram.
Der Stein, aus dem der Seokguram besteht, ist Granit. Die grobe Körnung bleibt an den Fingerspitzen hängen, und wenn sich Licht zwischen der Körnung ausbreitet, verändert sich die Umrisslinie des Buddhaprofils. Die feuchte Luft im Inneren des Tohamsan in Gyeongju und die modrige Kälte, die von den Steinwänden aufsteigt, lassen sich nicht nach Paris mitnehmen. Nach Paris gelangt sind Form und Proportion sowie die Meißelspuren, mit denen die Steinmetze von Silla den Stein herausgeschlagen haben.
In der Pariser Ausstellung steht auch eine Rekonstruktion der 〈Ziegelreliefs mit Wächtergottheiten in grüner Glasur〉, die den Sockel der Holzpagode auf dem Tempelgelände Sacheonwangsa in Gyeongju schmückten. Nokyu ist eine grüne Glasur. Auf der Oberfläche der gebrannten Ziegel liegt diese Glasur in einer dünnen Schicht. Die Rekonstruktion entstand auf der Grundlage von Annahmen über das Original.
Die Hauptbuddhastatue des Seokguram lässt sich nicht bewegen. Um ein unbewegliches Erbe der Welt zu zeigen, müssen Rekonstruktionen und Nachbildungen an seine Stelle treten, und in diesem Moment wird das, was das Publikum zu sehen bekommt, zur heutigen Deutung des Steins von Silla. Man muss das nicht Täuschung nennen.
Woher die Ergriffenheit im Ausstellungsraum stammt, darüber hat das Publikum ein Recht auf Auskunft. Der Seokguram gehört zu den Stätten, die in Korea als erste in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen wurden.
In Paris startete zusammen mit der Seokguram-Sonderausstellung die Kampagne 'Besuch des nationalen Kulturerbes'. Auch die Aufführungsreihe 'Korea on Stage' begann in derselben Stadt. Wie die drei Veranstaltungen zusammenhängen, ist aus den bekannt gegebenen Angaben nicht ersichtlich.
Die Stadt Gyeongju erklärte, sie werde im Anschluss an diese Ausstellung den internationalen Kulturaustausch mit dem Kulturerbe von Silla ausweiten. Auch Gyeongjus Bürgermeister Joo Nak-young äußerte sich zum Seokguram. Welche Projekte, welches Budget und welcher Zeitraum zu dieser Ausweitung gehören, wird sich aus den Plänen ergeben, die die Stadt Gyeongju künftig vorlegt.
Der Klang von Meißel und Hammer, der vor tausend Jahren am Tohamsan widerhallte, reicht bis unter die Beleuchtung des Pariser Ausstellungsraums, doch die Namen derer, die ihn erzeugten, sind nicht erhalten.
Die Reise, die sich daher empfiehlt, verläuft in umgekehrter Richtung. Wer in Paris die Rekonstruktion gesehen hat, nimmt den Zug nach Gyeongju, und wer Gyeongju erlebt hat, kehrt in den Pariser Ausstellungsraum zurück. Wer den Wanderweg am Tohamsan hinaufgeht und den Seokguram betritt, gelangt an den Acht Schutzgottheiten der Vorhalle vorbei zu Fuß bis zur Hauptbuddhastatue.
Der einzige Ort, an dem sich die Temperatur des Steins mit der Handfläche prüfen lässt, ist dieser. Die Rekonstruktion in Paris ist eine Vorrichtung, die an diese Temperatur erinnert.
