
In den fünf Branchen, denen die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, englisch BIS) ein hohes Automatisierungspotenzial zuschreibt, arbeiten 21 Prozent der südkoreanischen Beschäftigten ab 55 Jahren. Die BIZ ist eine internationale Organisation, die von den Zentralbanken verschiedener Länder gemeinsam getragen wird, und nach diesem Maßstab liegen unter den OECD-Mitgliedstaaten nur zwei Länder niedriger als Südkorea, die Türkei und Kolumbien. Das ist der drittletzte Platz. Ein hohes Automatisierungspotenzial bedeutet in der Regel, dass häufig festgelegte Abläufe wiederholt werden und sich die Arbeit deshalb leicht an Maschinen übergeben lässt.
Die verbreitete Sorge lautet, dass Maschinen den Menschen die Arbeit wegnehmen. Das Bild, das die 21 Prozent zeichnen, ist umgekehrt. Wenn etwa vier von fünf älteren Arbeitskräften in Branchen tätig sind, in denen Maschinen sie nur schwer ersetzen können, wird auch der Spielraum entsprechend kleiner, die fehlenden Arbeitskräfte mit Robotern zu ersetzen, wenn diese Generation in den Ruhestand geht. Es kann eine doppelte Lücke entstehen, bei der die Zahl der Menschen sinkt und die Maschinen nicht nachrücken können.
Immer wieder ist zu hören, dass KI, Smart Factories (Fabriken, in denen Sensoren und Software die Fertigungsprozesse selbst steuern) und Industrieroboter die Beschäftigung in der Fertigungsindustrie bereits verringern. Die 21 Prozent geben nur an, in welchen Branchen die Beschäftigten ab 55 Jahren tätig sind, und sagen daher nicht unmittelbar etwas über die Zu- oder Abnahme der Beschäftigung in den Fabriken insgesamt aus. In manchen Branchen verdrängen Maschinen die Menschen, während sie in anderen Branchen nicht einmal Fuß fassen können, und das kann in einem Land gleichzeitig geschehen.
Aus den 21 Prozent ohne Angabe eines Bezugsjahres lässt sich kaum abschätzen, wie sich dieser Anteil von Jahr zu Jahr entwickelt hat.
Auch die neu entstehenden KI-Arbeitsplätze sind nicht gleichmäßig verteilt. Die Bank of Korea kam in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass rund acht von zehn KI-bezogenen Arbeitsplätzen im Inland auf die Hauptstadtregion entfallen. Die Bank of Korea empfiehlt, regionale KI-Hubs auszubauen, also Standorte in Städten außerhalb der Hauptstadtregion, an denen sich KI-Unternehmen und Forschungspersonal konzentrieren.
Betrachtet man die 21 Prozent der Beschäftigten ab 55 Jahren und die 80 Prozent der Hauptstadtregion zusammen, stellt sich in Südkorea die Frage, ob Maschinen die Lücke füllen können, die die ausscheidenden Menschen hinterlassen. Auch wenn die Technik wächst, nützt das nichts, wenn ihr Nutzen die Branchen mit vielen älteren Beschäftigten und die Regionen nicht erreicht. Die Lücke bleibt dann bestehen.
Ob ältere Arbeitskräfte von der Automatisierung profitieren können, hängt davon ab, an welche Arbeitsplätze in welchen Branchen und in welche Regionen die Maschinen gelangen.
